Lukas Rietzschel über Gegenwart, die immer anstrengend ist
Shownotes
Lukas Rietzschel ist mit „Der Girschkarten“ für den Mülheimer Dramatikpreis 2026 nominiert. Elisabeth Luft hat ihn nicht in Görlitz, sondern kurz vor einer seiner Lesungen in Köln getroffen. Im Podcast erzählt der Autor von einem Gedanken, der uns dabei helfen könnte, die Gegenwart mit mehr Leichtigkeit zu betrachten, wieso er unsere politische Realität kritisch sieht und wie herausfordernd der Literaturbetrieb bisweilen sein kann.
Die 51. Mülheimer Theatertage finden vom 16.5. bis 6.6.2026 statt. Alle Informationen, Termine und Tickets unter: stuecke.de
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00:00:00: Lieber Lukas, hallo.
00:00:00: Herzlich willkommen!
00:00:02: Hallo noch mal.
00:00:04: Ein zweites Mal in diesem Podcast.
00:00:07: Letztes Jahr war ich bei dir in Görlitz.
00:00:09: Du bist jetzt gerade aus Görliz nach Köln gekommen?
00:00:12: Genau.
00:00:12: Ich habe ja den Podcast schon gehört mit Karen, der du dich in Dresden getroffen hast und mit Lea Luna in Leipzig in der Bibliothek.
00:00:18: Und damit es nicht so ein Sachsen-Podcast wird, haben wir jetzt Kölnen.
00:00:21: Jetzt machen wir das Gegenprogramm.
00:00:24: Ja, es ist auch schön.
00:00:24: Weil das ist das Tonstudio in dem alle Folgen für diesen Podcast schick gemacht werden.
00:00:31: also kein Ort der bisher jetzt für dich persönlich wichtig war.
00:00:35: Vielleicht auch im Zukunft
00:00:36: nicht?
00:00:36: Aber
00:00:37: genau die Qualität ist super!
00:00:38: Das hatte ich dir ja auch geschrieben... Also mir kommt's da nicht so sehr auf den Ort vielleicht an.
00:00:41: Das hatten wir letztes Jahr, das war ganz schön im Arbeitszimmer Und jetzt setzen wir dann eher das Augenmerk auf die Togenqualität.
00:00:47: Ja, es war sehr schön mit Blick von euch aus ... Von deinem Arbeitszimmer aus in den Park und strahlender Sonnenschein auch im Frühling.
00:00:53: Alles wurde grün, das war auch sehr schön.
00:00:55: Wie jetzt ja auch?
00:00:56: Jetzt kommt so langsam die Lebensfreude wieder.
00:00:58: Jetzt haben wir diesen Winter überstanden.
00:01:00: Jetzt blüht alles, jetzt ist alles so schön grün.
00:01:02: Das ist in Mühlheim ja dann auch so.
00:01:03: Es ist ja so toll dieser Wollemonat Mai, dass man das dann genießen kann da am Fluss.
00:01:09: Ich weiß gar nicht, was da durchfließt.
00:01:11: Durch Mühlhaumen... Die Ruhe!
00:01:14: Wahrscheinlich.
00:01:48: Mein Name ist Elisabeth Luft, ich bin Hörfunkjournalistin und habe Lukas Ritschel kurz vor einer seiner Lesungen in Köln getroffen.
00:01:56: Wir haben über einen Gedanken gesprochen der uns dabei helfen könnte die Gegenwart mit mehr Leichtigkeit zu betrachten darüber wie so er unsere politische Realität kritisch sieht und wie herausfordernd der Literaturbetrieb bisweilen sein kann.
00:02:11: Viel Spaß beim Zuhören!
00:02:17: Dein Stück Kirschkarten
00:02:19: ist
00:02:19: als Auftragswerk für Leipzig entstanden, fürs Schauspiel Leipzig.
00:02:23: Und geschrieben hast du ja eine Weiterführung eines sehr bekannten Stückes in Standen-IV und zwar der Kirschgarten von Anton Tschechow.
00:02:35: Wo hast Du bei Tschehoff angeknüpft?
00:02:39: Wie hast Du dann weitergemacht?
00:02:40: Ich hab mich erst mal inhaltlich vereimt damit auseinandergesetzt.
00:02:43: Das war ohnehin der ganze Prozess, das Schauspiel Leipzig ist verklausuliert auf mich zugekommen.
00:02:47: Irgendwann meinten die hast du den Kirschgarten gelesen?
00:02:52: Ganz abstrakt.
00:02:53: Nein, ich kenne das Stück.
00:02:55: Ich habe es gesehen aber kann das jetzt nicht abrufen.
00:02:58: und dann hab' ich mich wie bei so einer Klausur so ein bisschen vorbereitet hatte den Text nochmal gelesen weil dann stand einen Zoom-Gespräch an mit Thorsten Busch im Chefdramaturgung und Enrico Lübe dem Intendanten der auch Regie führt in diesem Stück her jetzt auch Und dann haben wir die ganze Zeit inhaltlich darüber geredet.
00:03:12: Es fühlte sich wirklich an wie so eine Klausur, wie so ne mündliche Prüfung oder irgendwas und ich wusste nicht was sie wollen von mir denn einfach nur erzählt was ich da gelesen habe und wie ich das empfunden hab.
00:03:21: und irgendwann habe ich den das aus der Nase.
00:03:22: jetzt mal meine Leute was ist der Sinn dieser Zusammenkunft?
00:03:26: Habt ihr schon einen Plan?
00:03:28: Ja, irgendwas.
00:03:30: Wir könnten uns vorstellen, den noch mal auf die Bühne zu holen.
00:03:32: Aber wir wollen eine andere Form finden, eine andere Fassung.
00:03:36: Wir wollen die Geschichte erzählen anders und können uns vorstellen dass du dafür gut geeignet bist.
00:03:41: Und da verstand ich okay es geht um ein Auftragswerk.
00:03:44: Das helft mir.
00:03:44: erstmal so im Grundverständnis was machen wir hier.
00:03:48: Und von da an war das ganz schön weil ich sehr viel Freiraum hatte mich mit Tschechow auseinanderzusetzen auch mit seinen anderen Arbeiten und merkte, dass es da oft um Gruppen von Menschen geht die so zusammenkommen.
00:04:03: Okay?
00:04:04: Und gerade beim Kirschgarten darüber ja philosophieren wie sie eine Entscheidung treffen und wie sie die vielleicht eigentlich auch gar nicht treffen wollen.
00:04:11: und diese Verzögerungstaktiken die fand ich sehr... Interessant.
00:04:15: Und den wollte ich mich widmen, weil in Eindruck hat unsere gesellschaftlichen Debatten verlaufen im ähnlichen Mustern also da gibt es ähnliche sozusagen Störelemente die die Entscheidungsfindung für unmöglichen.
00:04:28: das war für mich so die erste Ebene die ich reizvoll fand und die zweite war dass ist glaube ich die zweite Ebene dieses Textes.
00:04:34: es geht sehr viel um Zeit wie zeit vergeht wie zeit nicht vergeht und wir
00:04:38: sie auch wahrgenommen wird
00:04:39: wie sie wahrgenommen werden traurig das irgendwie auch ist, dass was sie vergeht.
00:04:44: Also dass man sich nicht festhalten kann und das wollte ich aber neu schreiben.
00:04:48: Ich wollte jetzt nicht einfach sagen okay wir nehmen jetzt Tschechow und machen daraus dann weiß ich nicht den Apfelgarten oder den Birngarten oder was auch immer so.
00:04:55: Ich wollte es ganz neu anlegen mit der Grundkonstellation die Entscheidungsfindung über dieses Haus in dem Fall aber bei einer Familie weil diese nachfeudale Gesellschaft die Tschechev da zeichnet die fand ich nicht mehr anknüpfungsfähig dachte ich nehme jetzt eine Familie habe mich aber auch grundsätzlich an seiner Aktstruktur orientiert.
00:05:13: Das sind diese vier Akte, in den Akten passiert auch Ähnliches wie bei Tschechow also das Ankommen der Familie dieses sich einfinden verhandeln.
00:05:20: Auch die Räume sind ähnlich angelegt, auch das Ende ist ähnlich angelegt dass es überall mal so kleine Easter Eggs versteckt.
00:05:27: Aber ich hab mich davon abgesehen sehr gelöst von der Vorgabe und wollte Wollte das, was Tschechov als Komödie behauptet?
00:05:36: Das war für mich eine große Frage.
00:05:37: Warum Komödi eigentlich?
00:05:38: Wo ist das Komödienhafte daran?
00:05:40: Das wollte ich schon noch ein bisschen mehr rauskitzeln und daraus ist dann der Girscht-Karten geworden.
00:05:48: Vielleicht als Ausgangspunkt nochmal für die, die den Text nicht gelesen haben... Es geht ja um einen ganz tollen ... Kirschgarten, eben die Besitzerinnen sind pleite.
00:06:04: Der Garten wird verkauft, die Bäume werden gefällt und das ganze große Kirsch-Gartenareal, ehemalige Gartenareale wird in Parzellen aufgeteilt.
00:06:14: Für Ferienhäuser diese Datschen ... Ich glaube da klingt es schon so an für reiche Leute aus
00:06:20: Moskau.
00:06:21: Genau, für einen ganz bestimmten Klientel, der sich das auch leisten kann.
00:06:26: Und du denkst es insofern weiter, als dass bei dir eine Einzige dieser Parzellen noch übrig ist.
00:06:34: Ganz verwuchert verfallen könnte man vielleicht auch sagen das Haus auf diesem Grundstück und drei Generationen kommen eben zusammen um dann zu beraten wie soll's weitergehen?
00:06:44: Spoiler, das klappt nicht so gut!
00:06:46: Es gibt ne Menge Konflikte, Enttäuschungen, Verletzungen und auch unterschiedliche Erinnerung an diese Vergangenheit Und die meisten Menschen habe ich mir so gedacht, werden solche oder ähnliche Situationen aus ihrem Umfeld ja auch kennen und bestätigen.
00:07:01: naja man ist eigentlich eher froh wenn man sich nicht damit beschäftigen muss.
00:07:04: Aber du hast so richtig drin rumgewühlt und dich reingegeben.
00:07:09: was hat diese situation für dich so interessant gemacht?
00:07:12: Also ich glaube genau dass das sehr anschlussfähig ist, dass wir alle Familienmitglieder kennen oder bekannte, die vor einer Situation stehen.
00:07:20: Da ist eine ältere Generation in einem Haus und wie das Leben eben so spielt, alle anderen hat es davon weggezogen.
00:07:27: Die sind in die Städte, das hängt ja mit unserer Arbeitswelt zusammen, wie sie sich verändert hat.
00:07:33: Und dann hat man das glaube ich sehr lange ignoriert, dass Menschen älter werden, dass unsere Familienangehörige älTER werden...
00:07:39: ...und damit sich auch ihr Blick auf die Welt und aufs Leben verändern?
00:07:42: Ja!
00:07:42: die Nutzung so eines Haus ist.
00:07:44: Und natürlich steckt da auch ganz viel Verdrängung von Tod darin, weil wir müssten dann mit unseren Verwandten mal drüber reden... Es ist absehbar dass ihr stirbt.
00:07:53: was machen wir jetzt damit?
00:07:54: Was wird mit diesem Haus, was wird mit dem Erbel, das ihr euch da so aufgebaut habt?
00:07:58: und dann wird man feststellen Das in meiner Familie auch so, dann sitzt man da zusammen und stellt fest okay Wir haben eigentlich nicht so eine richtig vielleicht ne Verwendung für dieses Haus Weil wir leben nicht mehr hier!
00:08:07: Wir leben nicht da wo Ihr früher Landwirtschaft betrieben habt oder irgendwie in kleinen Laden hattet und dann kommt ganz viel hoch.
00:08:15: Natürlich viele Emotionen, Nostalgie eine Wehmut auch vielleicht diese Kindheit betreffen dieses Aufwachsen da betreffend auch dieser Urgroßeltern oder Großeltern Generationen die das natürlich auch nicht loslassen wollen die nicht auf einmal im Heim landen wollen sondern wie die Großmutter im Stück sagt, ich will hier sterben.
00:08:34: Das sollte mir doch zustehen und alle sind völlig empörbar.
00:08:37: Du kannst ja nicht hier sterbe wollen!
00:08:39: Wie stellst du dir das vor?
00:08:41: Und dann treffen sie alle aufeinander mit ihren Sehnsüchten und mit ihren eigenen kleinen Baustellen und dann kumuliert sich das.
00:08:46: Darum geht es am Ende bei einem Drama.
00:08:48: also wir bringen alles was mit und an so einen vermeintlich kleinen Thema entzündet sich das dann und dann wird deutlich wer hat eigentlich so welche Baustelle?
00:08:56: und das ist jetzt hier ähnlich angelegt?
00:08:58: und stellen dann relativ schnell fest, dass der Vater in dieser Familie, der will das eigentlich nur verkaufen.
00:09:03: Da könnte er das Geld ganz gut gebrauchen.
00:09:04: Wofür sagt er nie so richtig?
00:09:06: Er ist
00:09:07: ja hartnäckig dabei
00:09:07: schon!
00:09:07: Der ist ganz hartnägig.
00:09:08: Der will immer diesen Sparkassenmenschen da erreichen...
00:09:11: Auch ein großartiges Bild!
00:09:13: Jetzt erreicht man diese Sparkasse nicht!
00:09:15: Ja, surprise!
00:09:16: Der is'
00:09:16: ganz verzweifelt, dass er immer fleißig seine Raten zahlt.
00:09:18: Und wenn er sie dann braucht den Sparkassenmenschen, dann erreicht er ihn nicht.
00:09:22: Dann kommt natürlich auch eine Verklärung dazu von der Tochter die sagt eben warum können wir nicht einen Ferienhaus draus machen?
00:09:28: brauchen Rückzugsorte, die sind Stadtmüde.
00:09:30: Die hätten gerne Natur und so weiter.
00:09:32: Und genauso kommt das dann alles zusammen.
00:09:35: Ich glaube es macht das Stück so anschlussfähig.
00:09:36: Es ist viel was mir gespiegelt wird in Nachgesprächen dieses... Wir haben auch so ein Haus und wir wissen nicht wie's weitergeht.
00:09:42: Jeder kennt in irgendeiner Form diese Gespräche.
00:09:45: Dieses Abschied nehmen, sich mit der Vergänglichkeit in der eigenen Familie beschäftigen.
00:09:50: Das wollte ich da reinholen.
00:09:52: Ich wollte das aber nicht zum Kern machen, sondern ich wollte dem eine Art politische Komponente auch geben die es ein bisschen parabelhaft dann macht.
00:09:59: für eben diese Zeit wie wir Debatten führen Wie wir Entscheidungen hinaus zögern und sich am Ende vielleicht daraus stellt so richtig will niemand eigentlich eine Entscheidung treffen.
00:10:08: Eigentlich sind alle ganz glücklich bei Tschechhofer auch so.
00:10:11: Die sagen die ganze Zeit man müsste mal und wir sollten jetzt Mal und da gibt's ja auch verschiedene Ideen in Tscheche aufs Kirschgarten Und am Ende ist dann dieser Verkauf.
00:10:20: Dann sind alle kurz im Pörd, aber irgendwie auch ganz zufrieden würde ich jetzt mal sagen und dann fahren alle so in ihre Leben... Sind alle ganz schnell weg?
00:10:27: Genau!
00:10:27: Ganz schnell angereist und ganz schnell wieder weg und habe sich mal kurz getroffen und nach mir ein Schade.
00:10:32: jetzt ist er weg und da sind alle nochmal kurz wehleidig und dann hören sie hinten schon die Äxte an den Bäumen wie Sie ansetzen.
00:10:38: Da dauert noch einmal so eine Art von Traurigkeit über diesen Abschied auf.
00:10:41: Das war's dann eigentlich auch.
00:10:44: Ich und auch dieses Aneinander vorbeireden sehr beeindruckend.
00:10:48: Ja, das hat Tschechow herausragend in all seinen Stücken eigentlich kultiviert.
00:10:52: Und es kam mir sehr gelegen weil ich mich in meiner Literatur schon auch sehr damit beschäftige wie Menschen uns aneinander vorbeireden wie sie reden aber sich nicht zuhören.
00:11:01: Und Tschechev hat dafür irgendwie auch eine ganz humorvolle tragisch komischen weg eigentlich gefunden, also die reden soneinander vorbei und es zieht sich durch alles durch.
00:11:11: Und irgendwann blitzt aber so eine tiefe auf.
00:11:13: Dann sagt einfach ganz beiläufig irgendjemand Ich bin ganz einsam, ich bin ganz traurig.
00:11:19: Und das hat so eine Wucht?
00:11:20: Das hat eigentlich ne Wucht und trotzdem gehen alle drüber hinweg... Es geht
00:11:23: einfach weiter!
00:11:23: ...weil genau, weil sie auch vorher schon so einander vorbeigeredet haben und das ist so...
00:11:27: Ja, Unfall, auch man das Gefühl hat damit können die Figuren gar nicht umgehen.
00:11:30: Richtig, richtig.
00:11:31: Sie sind auf so einer oberflächlichen Ebene.
00:11:33: mit dieser Tiefe sind sie überfordert und das habe ich auch versucht so ein bisschen reinzuholen.
00:11:37: diese Art von Sprachmuster.
00:11:38: Der Onkel sagt genau dass der sagt ich bin so einsam hier und auch die Großmutter dir wirklich Weh klagt über ihre Situation in diesem Heim, von dem wir manchmal auch gar nicht wissen.
00:11:49: gibt es das überhaupt?
00:11:50: Das ist ja eine Ebene im Text.
00:11:51: Die behaupten irgendwie auch ganz viel man weiß am Ende gar nicht was es waren und was sie erfunden.
00:11:56: Aber manchmal denke ich mir so ganz kurz mal können wir eigentlich stehen bleiben und ihn mal zu hören.
00:12:00: da ist doch gerade etwas hochgekommen.
00:12:01: vielleicht Ist es wichtig den Mal Raum zu geben das tun die aber gar nicht.
00:12:07: Was du ja auch in deinem Schreiben, auch in deinen Romanen sehr viel zum Inhalt machst ist diese Unzufriedenheit mit der Gegenwart.
00:12:15: Auch dieses scheinbar sehr verbreitete und irgendwie kollektive Gefühl lange Zeit von der Politik übergangen oder vergessen worden zu sein?
00:12:24: Ich finde das liest man hier auch zwischendurch.
00:12:26: also es ist so eine Unzufredenheit darüber wie die Welt heute ist Und früher war's ja schon auch irgendwie besser.
00:12:33: jetzt ich bin kein Mensch von gestern aber Es War Schon Besser Man muss das schon sagen.
00:12:37: Das wird man ja noch sagen dürfen, und in dem Fall hast du genau wie Tschechow ist auch eine Komödie genannt.
00:12:44: Du hättest es ja auch ändern können mit allen Mitteln der Kunst?
00:12:49: Ist das für dich auch in diesem Fall hier ein Mittel gewesen um die Situation irgendwie leichter eträglich zu machen?
00:12:55: oder amüsiert dich dieses Ganze inzwischen tatsächlich auch das was wir in unseren eigenen Leben und auf der politischen Bühne sehen gerade.
00:13:05: Also ich finde auch da, ohne dass es jetzt hier zu einem Tschechoff-Seminar werden soll.
00:13:09: Aber das hat ja auch etwas Tröstliches zu erkennen, dass diese Figuren bei ihm auch schon an dieser Gegenwart verzweifelt sind und ja eigentlich genauso gesagt haben auch die schreckliche Moderne und diese schrecklich modernen Zeiten – und war's nicht früher besser!
00:13:25: Und man könnte annehmen, dass das einfach ein Wesenskern von Gegenwart ist, dass sie alle anstrengt und dass das früher immer besser war
00:13:34: Weil es Vertrauter war oder so?
00:13:36: Genau.
00:13:36: Und ich glaube, wir vergessen das manchmal, dass auch eine schnell dahingesagte Phrase ist der man so gerne Glauben schenken mag aber sie hat etwas sehr vermessenes weil sie impliziert, dass wir es ausgerechnet jetzt haben die schwerste von allen Gegenwarten erwischt und das stimmt einfach nicht.
00:13:54: Man muss mal noch ein paar Historiker in den Fragen und die werden sagen ne gegenwart war immer anstrengend Erkannt hat und einmal enttarnt hat auch diese Phrasenhaftigkeit dahinten, dann hatte es etwas Belustigendes.
00:14:08: Natürlich ist es ein schmaler Grad also das einerseits ernst zu nehmen über Forderung Ernst zu nehmen Und auch eine Erschöpfung ernstzunehmen auf der anderen Seite zu erkennen.
00:14:18: Wir sind damit nie allein gewesen.
00:14:20: Ich weiß dass das wenig tröstlich ist in dem Moment zu hören Dass es andern schlechter ging oder auch schlechter geht parallel auf der welt so Das hilft einem nicht im eigenen leid erfahren Aber es relativiert vielleicht ein bisschen und schärft möglicherweise den Blick für das Konkrete, nämlich in dem Fall Hausverkaufen ja oder nein.
00:14:41: Also da sind so viele rundherum Debatten, die geführt werden statt eigentlich eine Entscheidung dieses Hauses zu treffen.
00:14:48: Darum geht's in Kern!
00:14:49: Deswegen kommen sie dahin aber reden dann über die Zeit und sie reden über die Größe des Grundstücks und ob das eigentlich stimmt und über den geistes Zustand der Großmutter Über die Zeit, über die Moderne und über die Vergangenheit.
00:15:01: Und alles kommt zusammen.
00:15:02: Nichts wird richtig tiefgreifend eigentlich mal besprochen aber sie lenken sich gut damit ab.
00:15:08: Ich glaube man kann all das auch als Verzögerungstaktiken natürlich ansehen.
00:15:13: mit dem eigenen Kern oder den eigentlichen Kern zu beschäftigen würde ich sagen.
00:15:17: Naja und trotzdem um den Blick nochmal so ein bisschen größer zu machen scheint ja diese Unzufriedenheit für sehr viele Menschen eine große Rolle zu spielen im Moment.
00:15:26: Das zeigt sich unterschiedlich unter anderem auch dadurch, dass viele Wählerinnen und Wähler die AfD zum Beispiel als vielversprechendste Partei dafür erachten, dass es irgendwie endlich mal wieder vermeintliche Ordnung geschaffen wird und sie gesehen werden und gehört werden und diese Partei das einlösen könnte, dass Sie wieder mehr sehen und beachtet und geachtet
00:15:49: werden.".
00:15:50: Bundes-Tagswahl Anfang letzten Jahres ist sie die zweitstärkste Kraft im Bundestag.
00:15:54: Hast du den Eindruck, wir haben auf absehbare Zeit eine Chance aus dieser ja irgendwie doch auch absurden Stimmung gesellschaftlich und diese politischen Situation rauszukommen?
00:16:08: Glaub ich nicht!
00:16:09: Aber nicht, weil ich glaube, dass die Stimmung in der Gesellschaft schlecht ist.
00:16:12: Davon bin ich nicht überzeugt.
00:16:14: Ich kann jetzt irgendwie Zahlen dagegen halten, also sozusagen die Grundzustimmung zu Demokratie als Staatsform und solche Sachen... Also das ist alles sehr stabil!
00:16:23: Und auch was manchmal so kolportiert wird mit gesellschaftlicher Zusammenhalt und Spaltung der Gesellschaft davon ist nichts evident.
00:16:30: Das sagt man so daher und es kommt dann auch ein bisschen pseudointellektuell daher aber es hat eigentlich keine Tiefe, es hat keine Evidenz.
00:16:37: Das würde ich sozusagen auf der rein soziologischen Ebene mal anbringen wollen.
00:16:40: Und dennoch ist es wichtig und auch zulässig übrigens unzufrieden zu sein, das darf man in der Demokratie.
00:16:47: Es ist Wesenskern, dass man nicht akzeptiert, dass alles gut ist und nie alles gut.
00:16:51: Das ist also ständig im Werden.
00:16:54: Und trotzdem glaube ich aber jetzt rein politisch betrachtet... Kommen wir aus dieser Schleife nicht mehr heraus, weil sich andeutet dass es sagen Polarisierungsmechanismen gibt innerhalb der Politik.
00:17:09: Die davon sehr gut lebt und die sie auch braucht.
00:17:11: also Polarisierung ist nicht per se etwas schlechtes sondern sie ist durchaus auch wichtig um Wählerstimmen zum Beispiel zu mobilisieren.
00:17:17: Wir haben das jetzt in Ungarn gesehen, wie unglaublich es auf einmal zieht mit so einer Rekordwahlbeteiligung.
00:17:23: Das ist auch seitdem die AfD aufgetaucht ist gerade im Osten der Fall.
00:17:26: also viel mehr Menschen beteiligen sich an Wahlen.
00:17:28: Ja, es erhält irgendwie auch das Interesse?
00:17:30: Total!
00:17:31: Also ob dafür oder dagegen, das meine ich mit sozusagen positiver Polarisierung.
00:17:34: sie kann eine Demokratie auch stützen und sie wird aber in Wahlkämpfen ausgenutzt.
00:17:41: Das heißt man kann das schon sehr gut sehen.
00:17:44: Das ist überall da, wo die AfD sehr stark ist.
00:17:47: Vor allem noch im Osten und Westen.
00:17:49: auch sind die anderen Parteien ein bisschen stärker.
00:17:53: Ich schaue zu auf Brandenburg, Woitke der letzte Wahlkampf.
00:17:58: Wenn wir als SPD hier nicht vor die AfD kommen dann bin ich nicht mehr Ministerpräsident.
00:18:02: Es ist eine ganz klare Polarisierungsstrategie weil sie Wählerinnen aufruft eben dann in dem Fall die SPD zu wählen oder die AfD.
00:18:09: Und was dann passiert ist, dass alle anderen Parteien dazwischen – übrigens auch jetzt in Ungarn also Budapest ist eine grün geführte Stadt mit einem grünen Bürgermeister – die Grünen tauchen diesen Parlament überhaupt nicht auf und das ist im Gründen des Problemen dass alle an den Parteien marginalisiert werden dazwischen.
00:18:25: Sie werden einfach aufgesaugt in diesen... Ja,
00:18:27: sie können sich anschließen der einen oder anderen Seite aber sie selber.
00:18:30: Und
00:18:30: das ignoriert auf lange Zeit ein particulares Wählerinneninteresse.
00:18:34: nämlich wo tauche ich auch und was sind eigentlich meine Interessen?
00:18:37: Oder stimme ich jetzt hier für die großen Linien?
00:18:39: Das wird dann immer so gesagt für oder gegen die Demokratie Aber es sorgt im Endeffekt dafür, dass im schlimmsten Fall keine Regierung gebildet werden kann.
00:18:46: Das haben wir in Sachsen ja gesehen.
00:18:47: also da ist es eine Minderheitsregierung geduldet Durch AfD, durch BSW.
00:18:52: In Brandenburg gab's erst eine Koalition mit dem BSW dann nicht mehr weil sie sich aufgelöst haben und so weiter.
00:18:58: also das macht es nicht einfacher.
00:19:00: dass will ich damit sagen und das meine ich mit.
00:19:02: wir kommen da nicht so schnell raus weil die jetzige Strategie ist alle gegen ein aber eigentlich die Strategie sein sollte dann doch jeder für sich und dann bilden wir eine Koalition in der diese Stimmen berücksichtigt werden.
00:19:15: Das halte ich auf lange Sicht in diesem Parlamentarischungssystem für problematisch.
00:19:19: Weil es eben dazu führt, dass man wenn das nicht reicht wird Zwangsläufig darüber diskutieren werden müssen geht man jetzt mit einer AfD zusammen oder nicht?
00:19:27: Also wenn es eben nicht reicht weil alle anderen Parteien aufgesaugt sind ist nicht über die fünf Prozent geschafft haben dann steht man da entweder Minderheitsregierungen mit Duldung AFD oder Koalition mit der AfD Schweden gerade ähnliches Problem.
00:19:38: also da war es vorhin eine Duldung durch die Rechtspopulisten Jetzt wären sie wahrscheinlich beteiligt.
00:19:42: Es auch kein nur deutsches Problem Das sehen wir eben auch.
00:19:45: Es ist ein globales Phänomen und alle diese Demokratien stehen vor ähnlichen Herausforderungen.
00:19:50: aufgaben, das macht es nicht kleiner aber das zeigt so'n bisschen wo's hingehen könnte.
00:19:56: Lass uns noch mal n bisschen auf deinen Schreiben schauen.
00:20:00: Dein erster Roman mit der Faust in die Welt schlagen, der kamen aus dem Jahr zwei tausend achtzehnt raus etwa drei Jahre später zweitenswundzwanzig.
00:20:08: dann dein erster Theater Text Widerstand Übrigens auch als Auftragswerk für Leipzig und im Corona nur als Theaterfilm rausgekommen leider.
00:20:19: Seitdem hat sich dein literarisches und ocenisches Schreiben scheinbar parallel weiterentwickelt, zumindest wirkt das von außen ein bisschen so.
00:20:26: inzwischen sind es drei Romane- und drei Bühnentexte.
00:20:30: beeinflusst sich diese beiden Formen des Schreibens bei dir gegenseitig?
00:20:36: Ich bin schon irgendwie auch ein sehr konservativer Schreiber sozusagen.
00:20:39: Also ich denke viel in Szenen, ich denke viele in Dialogen und Figuren.
00:20:43: Das hat sich im Theater aufgebrochen letztes Mal mit Samuel Wehm.
00:20:48: Das war also so eine reine Interview-Rechercherarbeit mit anonymisierten Textflächen.
00:20:54: Es war eher so ein Arrangement von Stimmen als jetzt ein gebauter Text ...
00:20:58: Mit der du dann auch
00:21:00: Genau, letztes Jahr zum ersten Mal in Mühlheim.
00:21:03: Umso schöner ist es jetzt auch eine ganz andere Arbeit, die sich überhaupt nicht ähneln.
00:21:07: Also da ist einfach Nullüberschneidung.
00:21:08: Das eine ist so sein klassisches Drama und das andere ist eben ein eher experimenteller Text.
00:21:13: um so schöner jetzt nochmal dabei zu sein.
00:21:15: Es ist eine große Ehre so gesehen zu werden.
00:21:18: Nicht nur sozusagen in der Prose sondern eben auch im Theater schreiben.
00:21:22: Und deswegen glaube ich, ist mir der Girschkarten sozusagen näher von meinem eigenen Schreibempfinden her.
00:21:28: So wie ich also auch romane schreibe.
00:21:29: Also da denke ich in der Geschichte, da denke im Figuren, da denk ich in konkreten Sehen und Handlungen.
00:21:34: Auch meine Romankapitel sind ja oft sehr scenisch kurz angelegt die wechseln dann sehr schnell und sind irgendwie auch sehr filmisch gedacht.
00:21:42: Das gehe ich beim Theater auch recht ähnlich vor würde ich sagen.
00:21:47: Gerade jetzt, weil Sanditz der Roman so lange brauchte sechs Jahre überschnitt er sich natürlich einerseits mit Samuel Wehe.
00:21:55: Das war eine ganz willkommene Abwechslung da mal ganz anders zu schreiben und auf der anderen Seite eben jetzt auch mit dem Gürschkarten.
00:22:00: So dass es da durchaus auch Überschneidungen bei den Figuren gibt würde ich sagen.
00:22:04: also in beiden Roman als auch im Stück spielen die Großmütter ne wichtige Rolle.
00:22:08: Es gibt auch diese Onkelfigur die ich sehr ähnlich gedacht habe in beiden Texten So diese ein bisschen vereinsamten Männer, wobei das ist ich irgendwie durch alle Arbeiten durchzieht.
00:22:20: Aber da noch mal Expliziter!
00:22:22: Ja also... Ich schaffe es nicht am Tag Roman zu schreiben, Prosa und mich dann inszenisches Schreiben zu denken.
00:22:28: Das geht nicht aber ich versuche das so ein bisschen tageweise zu denken und ein bisschen je nachdem worauf ich auch gerade mehr Lust habe was mich mehr bewegt.
00:22:37: und das genau ist dann mal parallel.
00:22:41: Ich erinnere mich auch noch, als wir letztes Jahr für diesen Podcast uns getroffen haben.
00:22:47: Dass du sagtest ja, morgen schreibe ich wieder Roman?
00:22:51: Sanditz ist dann Mitte März dieses Jahr erschienen.
00:22:56: Es geht um eine fiktive Familie in einem ebenso fiktiven kleinen Dorf im Sachsen und unter anderem auch darum wie sich der Blick auf sich selbst ... auch auf das Ostdeutsche zu Hause und aber auch auf den deutschen Westen verändert, wenn man die Heimat verlässt um zu studieren zum Beispiel.
00:23:16: Der Roman geht absolut durch die Decke im Moment.
00:23:20: Spiegel-Bestseller natürlich!
00:23:23: Natürlich ist es gar nicht.
00:23:24: also wir haben in einer Woche Sanditz so viel Verkauf wie in fünf Jahren Raumfahrer.
00:23:28: Also das war das Buch vorher.
00:23:31: Das ist das Schöne am Buchmarkt.
00:23:32: da steckt das Wort Markt drin sodass man denken könnte es würde irgendwelchen kapitalistischen Logiken folgen Aber das ist gar nicht so.
00:23:39: Also auch die Besprechungen bei Raumfahrer waren auch gut, waren auch zahlreich aber da hat irgendwie diese Anbindung an den Buchhandel nicht so funktionieren.
00:23:45: und jetzt auf einmal mit Sannitz... Hat es funktioniert?
00:23:48: Warum auch immer?
00:23:49: also irgendwas trifft dieser Text?
00:23:51: Das ist ja nicht nur in die Hand genommen, sondern auch gekauft worden.
00:23:54: Nur da wollte ich unterbrechen!
00:23:55: Es ist überhaupt nicht... Natürlich ein Bestseller, sondern es ist völlig überraschend ein Best-Zeller geworden.
00:24:00: Nur das wollte ich so sagen einfach einmal korrigieren.
00:24:03: einwerfen
00:24:04: kann ich total verstehen.
00:24:05: dieses natürlich kommt bei mir auch eher daher dass Ich immer so daran zurückdenken muss dass wir uns im Jahr zwanzig das erste mal gesprochen haben Und damals gerade Widerstand fertig wurde, dein erster Theatertext.
00:24:18: Seitdem ich immer wieder so viel von dir gelesen habe und gesehen habe, dass ich dachte, das macht nur Sinn!
00:24:25: So war dieses natürlich gemeint.
00:24:28: Als ich dann sah, gestern hast du es bei Instagram gepostet, dass die fünfte Auflage bei dir eingetroffen sei?
00:24:34: Wir haben Mitte April ...
00:24:36: Es ist ein Monat raus des Buches, völlig irre.
00:24:39: So irre, dass ich in all dem Taume, also Stichwort Community mit Instagram ... Ich hab auch diese Müllheim-Einladung gar nicht kommuniziert.
00:24:48: Weil ich dachte, das wirkt so frech jetzt noch zu sagen.
00:24:51: Übrigens da ist eine Nominierung und da ist auch ne Art von Anerkennung, weil mir das so vermessen vorkam.
00:24:57: Und weil ich ganz oft glaube, mir steht es eigentlich nicht zu.
00:25:00: Also hardere unglaublich damit so.
00:25:02: Das mag von außen alles so.
00:25:04: so leicht aussehen, aber das ist seine unfassbare Kraftanstrengung bis zur wirklichen Erschöpfung.
00:25:10: Und damit meine ich jetzt nicht sozusagen künstlerisch erschöpft sondern ich bin ohne mir das glaube ich eingestehend ganz doll fertig.
00:25:17: Naja allein das Reisen?
00:25:19: Ja genau und ich merke aber ich bin durch und ich muss eine Pause machen, ich brauche Abstand wieder viel mehr Zeit mit mir selbst verbringen, nicht nur aus so einem künstlerisch schöpfenden Gedanken heraus sondern ich muss auf mich aufpassen.
00:25:34: So das sind Gedanken die ich lange hatte und habe und die immer drängender werden.
00:25:39: Ich kann dieses Pensum nicht hochhalten Und ich muss auch passen dass ich mich nicht zerreibe.
00:25:46: Ja, das kennen ja wahrscheinlich auch viele Menschen.
00:25:49: Egal in welchem Bereich man tätig ist aber von außen sieht man immer nur, ja der ist da schon wieder unterwegs und da hat er schon wieder ein Interview gegeben und dort und jenes und man macht sich gar nicht so deutlich was da eigentlich dahinter steckt und an welchen Orten man dafür ständig sein muss zu welchen Tageszeiten Taktung, man auch geistig da bereit sein muss sich zu allem zu verhalten und so.
00:26:11: Also von dir kommt immer eine interessante Antwort.
00:26:13: Und das ist Kraft!
00:26:14: Das bedeutet dass ich vorher und danach unglaublich viel eigentlich Ruhe brauche und ich habe gerade nach der Messe wobei es nochmal so eine extrem extreme Belastung ist gemerkt Ich war in so einem richtigen Loch und da kam ich lange, lange nicht raus.
00:26:28: Es war als wäre alles aufgefressen worden in mir, weil ich alles nach außen tragen musste, weil diese Rolle so viel abverlangte.
00:26:35: Und ich will das auch gar nicht so klingen lassen, als würde ich mich da beschweren oder als würde sich rumheulen, also nachdem man heule leise und so, weil der Erfolg gibt ja recht
00:26:43: usw.,
00:26:44: Das kann alles sein aber es ist fordernd, unglaublich fordernt.
00:26:48: Ja und ich glaube... Wichtig, dass das auch kommuniziert wird als Teil des Ganzen.
00:26:53: Das passiert ja gar nicht so viel.
00:26:56: Du warst im Frühjahr einige Wochen in Italien mit anderen internationalen AutorInnen?
00:27:02: Hast du da wieder an was neuem gearbeitet oder war das eine Zeit und Quelle, in der du über solche Sachen nachdenken konntest?
00:27:11: Eigentlich war es als Arbeitsstipendium ausgeschrieben und vergeben worden.
00:27:15: Also ich hatte die Zusage bekommen, da steckte ich noch mitten im Sanditzprozess eigentlich.
00:27:20: Und der war aber zu dem Zeitpunkt mehr oder weniger abgeschlossen.
00:27:23: Das heißt für mich war das das erste Mal Urlaub eigentlich nach wirklich vielen Jahren und es war ganz toll einfach mal wieder irgendwo zu sein und nichts zu tun.
00:27:36: Das fällt mir auch schwer.
00:27:37: Mir fällt es unglaublich schwer nicht zu arbeiten...
00:27:40: ...und nicht dranzudenken?
00:27:40: Und nicht daran zu denken!
00:27:42: Es gibt ja auch ein Stück so eine Passage wo die große Modelle ist.
00:27:44: also Auch nicht Arbeit ist Arbeit.
00:27:48: Das kenn ich, sonst hätte ich es nicht geschrieben.
00:27:50: Und einfach mal wieder zu lesen und mal wieder durchzuatmen, einfach mal nichts zu tun und mir das auch zu erlauben... ...das war sehr heilsam!
00:27:59: Wie schaust du auf den nächsten Wochen?
00:28:01: Weißt Du schon ob Du nach Mühlheim kommst?
00:28:03: Ja na klar!
00:28:04: Mit Quiche und Reifen.
00:28:05: Mit quiche und reifen weil was wirklich tolles ist diese Theaterbegeisterung vor Ort.
00:28:12: Also letztes Jahr kam dann so ein VHS-Kurs, das ist einfach einen VHS Kurs die nur Theatertexte lesen dieser nominierten Stücke.
00:28:21: Ja, das macht so'n ganz engagierter... Das ist
00:28:23: völlig irrem!
00:28:24: Die kommen da und haben eine Stuhlkreis gebildet und dann haben sie sehr gute Fragen zu diesem Text gestellt.
00:28:31: Und das ist ja einmalig.
00:28:33: also überhaupt dass es ein Festival ist in dem die Texte im Zentrum stehen ist ja Gold wert für uns, die wir in unserem Schreibtisch sitzen.
00:28:42: Und so viel reingeben in dieses Theater auf der textlichen Ebene und dann kommen sie da ... Auch diese Nachgespräche sind so toll!
00:28:50: Also ich hab das noch nicht erlebt in anderen Kontexten dass da so ein interessiertes auch versiertes Publikum sitzt und so gute Fragen stellt, so interessiert es, so dem ganzen Festival folgt und aus dem Ganzen Ruhrgebiet offenbar anreist um sich das da anzuschauen.
00:29:08: Also, völlig klar ist ... Das is ne Bubble so!
00:29:13: Letztes Jahr, als wir irgendwie als kleines Görlitzer-Pups-Theater eingeladen waren und gesagt haben, wir fahren am Müllerweise wo is den Mühlheim?
00:29:20: Was soll das überhaupt?
00:29:22: Da kann ja niemand was anfangen der nicht in dieser Theaterblase steckt.
00:29:26: Und wenn man das weiß bei Buchmessen ähnlicher Man is immer nur König in den Blasen und danach is alles egal.
00:29:34: Das ist auch schön so und gut, aber es ist eben auch mal schön da reinzugehen.
00:29:39: Und mal mit Menschen sich zu umgeben die das feiern und die das wertschätzen und diese eine ähnliche Begeisterung haben.
00:29:45: Und
00:29:45: die auch das Werk kennen?
00:29:46: Ja total!
00:29:47: Die wissen darüber sprechen.
00:29:49: Jetzt wieder hinzufahren mit wenen fahren und das sich anzuschauen... Ich habe ja letztes Jahr auch Wert darauf gelegt dass ich es wirkt ein bisschen abgehoben, das ist mir klar.
00:29:58: Also ich hatte darum gebeten oben auf einer Empore zu sitzen.
00:30:01: Es gibt in diesem großen Saal Es gibt in der Stadthalle diese kleinen Balkone.
00:30:07: Wollt ihr da gerne sitzen, weil ich das Publikum sehen wollte?
00:30:09: Ist die einzige Möglichkeit, dass sich das Publikum beobachten kann?
00:30:12: Kennt ihr das Stück und es war richtig toll!
00:30:15: Ich hatte da keinerlei Bezug dazu und war sofort angezündet von dieser Theaterbegeisterung.
00:30:22: Dann hoffe ich, dass es genau so weiter geht.
00:30:24: Ich wünsch dir... Ganz viel Spaß in Mühlenheim und vor allem wünsche ich dir bis dahin eine sehr gute, erholsame und schöne Zeit.
00:30:32: Danke!
00:30:33: Das würde ich dir auch
00:30:34: heute Abend eine gute Lesung und danke, dass du hierher gekommen bist.
00:30:37: Sehr schön
00:30:37: für die Einladung.
00:30:39: Vielen Dank für deine Gedanken und bis bald Lukas.
00:30:41: Bis bald!
00:30:42: Tschüss
00:30:48: Das war ein Gespräch mit Lukas Rieschel, nominiert für den Mühlheimer Dramatikpreis.
00:30:55: Ich freu mich wenn Sie auch in die anderen Folgen dieses Podcasts rein hören.
00:30:59: dort nehme ich sie mit zu den weiteren Autorinnen und Autoren, die mit ihren Texten den Westen der Saison zu den einundfünfzigsten Müllheimer Theatertagen eingeladen sind.
00:31:09: bis dahin.
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