Dorian Brunz über Kindheitshelden
Shownotes
Dorian Brunz ist mit „Schmetterball“ für den Mülheimer KinderStückePreis 2026 nominiert. Elisabeth Luft hat ihn in der Hamburger Kunstuni getroffen. Im Podcast erzählt der Autor, wie man Schreiben lernen kann, was er so bewundernswert daran findet, wie Kinder mit dem Thema Tod umgehen und warum er aus der Autor*innenmetropole Berlin weggezogen ist.
Die 51. Mülheimer Theatertage finden vom 16.5. bis 6.6.2026 statt. Alle Informationen, Termine und Tickets unter: stuecke.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Lieber Dorian, hallo.
00:00:01: Hallo!
00:00:02: Schön, dass du da bist.
00:00:03: Willkommen in Hamburg?
00:00:04: Ja danke ich find's so cool.
00:00:06: Ich bin gerade eben hier angekommen und es scheint sehr viel geregner zu haben.
00:00:09: Surprise
00:00:10: Ist ein Klischee.
00:00:11: Du hast ausgerechnet den Klischeedag erwischt.
00:00:14: Hamburg ist viel sonniger
00:00:16: Stereotypen.
00:00:17: bei Hamburg Tag Bin grad so um meinem Koffer so oben die ganzen Pfützen Umherge-Slarlompt.
00:00:26: Das war ja abzusehen.
00:00:28: Wir sitzen hier Auf dem Campus der Kunst-Uni.
00:00:32: Du hast geschrieben, dass das ein sehr guter Ort wäre, um dich zu treffen und noch mal über deine Arbeit zu reden?
00:00:38: Genauer gesagt sind wir in der Hochschule für angewandte Wissenschaften Und wir sitzen jetzt hier auf so einer Zwischenetage Treppe hoch und Leute die Unis gut kennen, die kennen solche Ecken wo man sich einfach aufhalten kann bisschen sitzen kann schön im Fenster.
00:00:51: Warum bist du hier gerne?
00:00:53: Erstmal weil ich einen ganz tollen Weg hierhin habe.
00:00:56: es sind nur zehn Minuten von meinem Zuhause
00:00:59: Zu
00:01:00: Fuß?
00:01:00: Ja.
00:01:01: Und immer am Wasser lang und ich mag das einfach irgendwie erst mal, also sowohl vor der Arbeit als auch nach der Arbeit so einen Weg zu haben und hab einfach gemerkt in den letzten Jahren dass ich prinzipiell mindestens drei viermal die Woche gerne nicht zu Hause arbeite.
00:01:16: Ich mag diesen Ort einfach weil es wie man vielleicht ein bisschen hört ist gibt irgendwie immer so ein bisschen Geräuschkulisse Es ist immer ein bisschen trubelig.
00:01:22: Auch oben in der Bibliothek wo ich arbeite gibt es halt so diese konzentrierte Stille, aber eben nicht ganz still.
00:01:29: Die hasse ich nämlich total.
00:01:30: Da höre ich auch mein Teenie-Tour immer so und deswegen ist hier wirklich ein super Ort für mich zum Arbeiten.
00:01:36: dazu kommt dass ich das große Glück habe hier in der Umgebung fast alle meine besten Freunde in Hamburg zu haben.
00:01:43: Das heißt also es hat sich irgendwie so entwickelt dass wir wie so eine Art Ritual haben zwei drei mal die Woche hier zusammen zu essen Und das ist für mich auch sehr neu gewesen weil Freiburg ist ja eigentlich immer so ein bisschen nicht nur ein bisschen, sondern eine sehr einsame Angelegenheit oft.
00:01:58: Und das ist natürlich toll irgendwie zusammenzukommen und zu essen und dann weiterzuarbeiten.
00:02:03: Die eines in Elternzeit kommt hierher die andere arbeitet auch remote und ja, das genieße ich sehr.
00:02:19: Herzlich willkommen zum Podcast mit den Autorinnen und Autoren der besten neuen Theaterstücke, die nominiert sind für den Mühlhammer Dramatikpreis oder für den Müllhammer Kinderstückepreis.
00:02:31: Diesmal ein Gespräch mit Dorian Brunz.
00:02:34: Er ist für den Mühlhammer Kinderstückgepreis, und zwar mit seinem Text Schmetterball.
00:02:41: Mein Name ist Elisabeth Luft ich bin Hörfunk-Donnerlistin und habe Dorian in der Hamburger Kunstuniversität getroffen.
00:02:48: Wir haben darüber gesprochen wie man schreiben lernen kann was er so bewundernswert daran findet wie Kinder mit dem Thema Tod umgehen und warum er aus der AutorInnenmetropole Berlin weggezogen.
00:03:01: Viel Spaß beim Zuhören.
00:03:08: Lass uns zuerst auf deinen Text gucken, Schmetterball heißt er und der Ausgangspunkt von Schmettermal ist die Freundschaft zwischen Floh und Ari.
00:03:17: Die beiden sind elf wenn ich es richtig in Erinnerung habe allerbeste Freunde Und ja man könnte wohl sagen auf den besten Wege sehr berühmt werden und zwar als Tennis Spieler.
00:03:29: erzählen wir mehr über diese beiden Figuren
00:03:32: Tischtennis-Spieler Nicht Tennis-Spieler.
00:03:35: Tischterosse unterschiedlich?
00:03:36: Entschuldigung, natürlich.
00:03:37: Schmetterball!
00:03:39: Genau, aber das andere war alles richtig.
00:03:41: Sie sind sehr gute Freunde und genau ihre absolute Verbindung miteinander ist des Tischtennes Spielen.
00:03:47: also so haben sie sich auch kennengelernt.
00:03:49: quasi unten in der Siedlung gibt es zwei Tischtennisplatten Und der eine von beiden hatte keinen Mitspieler und hat aber zwei Schläger.
00:03:58: und dann haben sie die erste Runde miteinander gespielt und haben eine riesen Leidenschaft für dieses Spiel entwickelt, was jetzt per se erst mal nicht das coolste Spiel für alle anderen ist.
00:04:10: Es ist eher so ein bisschen nischig-nördig aber die beiden für dies ist das größte
00:04:15: und sie sind halt auch richtig gut da drin ne?
00:04:17: Und Sie sind sehr gut da drinnen und haben auf jeden Fall eine olympische Zukunft sich ausgemalt beide schon.
00:04:22: ja
00:04:23: dann verändert sich alles ziemlich doll.
00:04:26: In den Sommerferien stirbt Ari an einem Herzfehler und dadurch verändert sich natürlich für Flo alles, sein ganzes Leben, seine ganze Welt.
00:04:35: Und auch dieses Bild was die beiden sich gemeinsam ausgemalt haben dass sie so zu zweit berühmt werden ist natürlich plötzlich zerplatzt und nicht mehr möglich.
00:04:45: er muss auch irgendwie dann ganz alleine auf die weiterführende Schule.
00:04:49: Da, als ich das gelesen habe, muss sich so schlucken.
00:04:53: Ich fand es eine verrückte Situation, die du da erschaffen hast sozusagen.
00:04:57: Das Schlimmste für ihn ist dann der Moment in dem er feststellt, dass die Nachricht von Ari Sturzscheimann noch gar nicht in der Schule angekommen ist.
00:05:05: In der ersten Stunde wird er nämlich sein Name aufgerufen und Flo weiß gar nicht was er sagen soll.
00:05:10: Wie geht Flo damit um?
00:05:12: Zu dem Zeitpunkt den du jetzt gerade beschrieben hast ... ist er noch komplett wie Versteinhard eigentlich.
00:05:18: Er ist gar nicht so richtig im Trauerprozess, und er sucht eigentlich noch gerade den Weg damit umzugehen, den er erst am Ende des Stückes findet überhaupt.
00:05:28: Ich finde es interessant, dass du meintest die beiden sind sozusagen auf dem besten Weg berühmt zu werden.
00:05:33: Ich hab's eigentlich immer eher so gesehen, dass Flo Ari so sehr bewundert und sagt okay das is der Typ, der die goldene Zukunft vor sich hat Und ich bewundere ihn eigentlich, obwohl er bestimmt auch ein großes Tischtennis-Talent ist.
00:05:50: Aber der Blick geht ja eigentlich eher so ein bisschen von unten nach oben zusammen.
00:05:53: Ja, total.
00:05:53: Das stimmt.
00:05:56: Aber du meintest jetzt gerade die Situation im Klassenzimmer?
00:05:58: Wenn er ... Wie geht ihr damit um?
00:06:00: Er ist völlig überfordert von der Situation das dieser Name da einfach noch auf der Klassennliste steht und schafft es nicht, die Wahrheit auszusprechen also dass er eben alleine in der Bank sitzt nicht mit seinem besten Freund.
00:06:15: Und dass Ari gestorben ist, es zu dem Zeitpunkt nicht möglich für ihn auszusprechen.
00:06:19: und deswegen platzt das quasi aus ihm heraus und er sagt, Ari ist in der Vorbereitung für die olympischen Spiele und ist deswegen freigestellt von der Schule vom Schulunterricht.
00:06:29: Und diese Lüge entwickelt dann eben genau die entsprechenden Konsequenzen.
00:06:35: Das ist ja eine unglaubliche Fantasie, die da auch aus ihm spricht natürlich irgendwie auch Verzweiflung bestimmt.
00:06:41: Es muss auch überfordert sein mit dieser riesengroßen Lehrstelle und diesem Vermissen.
00:06:48: Und es ist
00:06:48: total spannend, wie er dann da so mit dem olympischen Kader und dem Olympischen Dorf und weiß ich jetzt echt die goldenen Toiletten, die es bestimmt auf jeden Fall
00:06:57: gibt.
00:06:58: Wie gesagt eine unglaubliche Fantasie unten sehr von außen betrachtet natürlich ein schöner Umgang mit der Situation.
00:07:07: Schmetterball ist dein erstes Stück für junges Publikum, für Kinder und Jugendliche.
00:07:11: Ich find eben so schön, dass man durch diese Fantasie, die du da reingeschrieben hast, eine Bewunderung daraus liest auch für Kinder mit solchen Situationen umgehen kann.
00:07:22: zu sagen was dich daran so fasziniert wie Kinder mit dem Leben überhaupt aber vor allem mit solchen ja für jeden Menschen total schwierigen Situationen.
00:07:32: Ja, ich habe das vor allen Dingen mitbekommen.
00:07:34: Weil auch viel im Austausch war vorher mit Kindern zu diesem Thema speziell.
00:07:38: also Das Stück hat einen relativ langen Vorlauf.
00:07:42: Ich hab mich mit dem Stoff aber dabei noch ganz anders bei der Akademie für Kindermedien beworben damals für so ein stipendiaten Programm allen Menschen, die für Kinder und Jugendliche schreiben sehr empfehle.
00:07:54: Weil du dir super viel Zeit nehmen kannst miteinander in Austausch zu gehen mit Mentoren zusammenzuarbeiten und eben aber auch mit Kindern und für die dies geschrieben ist.
00:08:04: Und da habe ich einfach gemerkt auch bei Klassenbesuchen und so dass dann also Ich war total aufgeregt vorher weil ich auch natürlich selber im Kopf hatte das ist jetzt irgendwie Es geht um schweres Thema, es geht um Tod und Trauern.
00:08:17: Es geht vor allem um einen sehr jungen Menschen, der verstirbt.
00:08:20: Ich hatte eine ziemlich große Hemmschwelle und habe dann aber vor Ort gemerkt in dem Austausch mit den Kindern, dass da einfach ne krasse Offenheit erst mal war.
00:08:28: Und auch so ne Direktheit.
00:08:30: Also ich weiß noch genau wie danach der Stunde ein Mädchen noch zu mir kam und nochmal ein paar Fragen gestellt hat und dann so ganz direkt und aber auch strahlend gesagt hat, oh, da werde ich heulen!
00:08:39: wenn ich das dann sehen werde, Theater vielleicht oder so.
00:08:42: Und es hat mich einfach berührt und vor allen Dingen aber auch motiviert an dem Stoff dran zu bleiben oder weiterzuschreiben überhaupt.
00:08:50: Wenn du das so erzählst, hat das ganz viel ja mit emotionaler Intelligenz zu tun irgendwie ne?
00:08:54: Also dass Kinder oft so natürlich einen totalen Blick haben für die Situation und für die Weibstees in irgendeiner Situation gibt zwischen Menschen oder so für die Stimmung.
00:09:04: Ich finde da noch so ein spannenden Moment, neue Klassenkameraden von Flo, die ein bisschen anstrengend ist oder die er so ein bisschen angestrengt findet.
00:09:15: Die erkennt ganz schnell dass es Flo nicht gut geht und du zeigst dann finde ich schon sehr klar das sie eben einfach total aufmerksam ist und dass sie so richtig genaues Gespür hat und sehr empfänglich ist für das, was da bei Flo abgeht.
00:09:31: Und eben für die Situationen der es so eine Tatsache, die glaube ich sehr oft unterschätzt wird bei Kindern und Jugendlichen.
00:09:37: So nach dem Motto wenn ich nicht sage dann bekommt das Kind auch nichts mit?
00:09:41: Ist das etwas, was du auch zum Thema machen wolltest?
00:09:44: Absolut ja!
00:09:45: Das kommt auch aus einer Erfahrung im Umgang mit Kindern.
00:09:48: glaub ich also dass Kinder eben doch auch genau wie du sagst diese Antennen haben.
00:09:53: ganz ganz ausgeprägt.
00:09:55: daran kann ich mich auch selber noch gut erinnern an Situationen, wo ich genau gemerkt habe.
00:10:00: Meine Eltern oder andere Erwachsene denken jetzt ... Ich check das gar nicht.
00:10:04: Aber ich wusste es schon drei, vier Tage vorher und spüre sozusagen was im Raum ist.
00:10:10: Das beobereite ich genauso bei meinen Lichten und Neffen auch.
00:10:13: Was ich auf jeden Fall damit zeigen wollte... Also ich hab wieder ein Beispiel im Kopf.
00:10:18: Meine Nichte neulich hat geregnet und gewittert.
00:10:21: Wir waren irgendwie am See Das fing auf einmal ganz doll an zu stürmen.
00:10:25: Und sie war ganz außer sich, weil Oma Mimmi, die gestorben ist doch jetzt irgendwie kein Regenschirm hat.
00:10:31: und dieses Rausplatz in diese krasse Fantasie oder auch in dem Fall gar nicht Fantasien sondern wirklich Realität finde ich was, was ich unbedingt da unterbringen wollte auch im Stück irgendwie.
00:10:41: So eine realistische Vorstellung von dem wie es diesen Menschen gerade
00:10:45: geht und
00:10:46: dass man sich trotzdem nach wie vor sorgen muss?
00:10:48: Ja
00:10:50: bei Floh ist das ja irgendwie auch so.
00:10:53: Der scheint einsam zu sein mit der Situation.
00:10:56: Von seinen Eltern liest man nicht so viel, die Mutter von Ari ist selbstverständlicherweise auch sehr damit beschäftigt selber das zu verarbeiten.
00:11:05: was passiert ist aber als wenn die dann der Lehrerin der neuen von Aris Tod erzählt und die ganze Geschichte da mit dem olympischen Dorf und mit der ganzen Tischtenniskarriere von Ari diese Lüge sich auflöst und die Geschichte ans Licht kommt da ist Flo plötzlich nicht mehr allein.
00:11:23: Die Lehrerin ist dann irgendwie für ihn da und die anderen Kinder sind auch für ihn veranstaltet, ein Tischtennis zu Nier und laden ihnen in der Zukunft immer wieder auf den Schulhof einen zu spielen.
00:11:34: Wenn man so alleine an die Corona-Pandemie zurückdenkt, wo es ja auch total zutage gekommen ist, dass so emotionale Intelligenz und überhaupt die Gefühle von Kindern, die Sorgen haben viel zu wenig Raum einnehmen in der schulischen Bildung ... Findest du?
00:11:49: Dass das sich ändern sollte und mehr Raum einnehmen sollte, dass das zu einer ganzheitlichen Bildung unbedingt dazugehört.
00:11:57: Du meinst, das Thema Einsamkeit unter Kindern.
00:11:58: Zum Beispiel
00:11:59: oder was damit also Trennung von Eltern?
00:12:02: Alles, was einem in dem Leben auch mit fünf oder zehn oder zwölf passieren kann.
00:12:06: Absolut!
00:12:07: Deswegen ist es ja nicht nur im Stück der Verlust eines Menschen irgendwie behandelt sondern gerade bei der Wendy-Figur sieht man das ganz gut dass sie ja auch mit Verluste und Einsamkeiten zu kämpfen hat.
00:12:19: Sie sehen sich halt nach Nané jetzt ihrer Mutter und nach Stabilität auch und so weiter.
00:12:24: Unbedingt ist das ein großes Thema.
00:12:26: Und ich meine, Flo braucht ... Um erst mal da hinzukommen und eine Gemeinschaft zu spüren, braucht er eben nur seinen Poster.
00:12:34: Er ist so einsam, dass er mit seinem Poster spricht.
00:12:38: Deswegen war es irgendwann auch wichtig im Stück zu schreiben, dass das Poster wieder zum Poster wird und sich zurückzieht, weil er Begegnungen gefunden hat, die ihm vielleicht ein Stück weit helfen.
00:12:51: Vielleicht kann man sagen, dass das ein Prüster von einem sehr berühmten Tischtennis-Spieler ist.
00:12:56: Und sicherlich auch irgendwie die Verbindung dazu, dass Herr Ari so erhebt zu einem Tischtennestar.
00:13:03: Ich musste da auch direkt denken an diese ganzen ... Sei es aus der Bravo oder aus welchen Zeitschriften immer.
00:13:08: Oder ganz früher Apothekenumschau mit XXL-Kandienchen?
00:13:14: Medizinie!
00:13:15: Ja genau.
00:13:16: Was man dann im Zimmer hatte und was ja schon irgendwie ... eine Rolle gespielt hat.
00:13:22: Ja, ich hab auch natürlich mein eigenes Kinderzimmer vor Augen gehabt.
00:13:24: also bei mir war es ... Ich sag's jetzt einmal Sarah Connor.
00:13:28: Zwei Tausender und Black Eyed Peas hatte ich so lange bis sie sich schon gewählt haben.
00:13:35: Schön ja!
00:13:36: Ich glaub bei mir was auf jeden Fall Tokio-Tell das muss ich auch sagen Und ich hatte so ne Fußballzeit damals und deswegen waren es auch Miroslav Klose
00:13:47: Also zwei tausend drei vier
00:13:49: Ja, besondere Zeiten.
00:13:54: Du hast schon eben von dem einen Stipendium gesprochen, du hast aber für Schmetterball auch noch ein anderes Stipedium bekommen?
00:14:00: Das Natranstipendum mit dem gefördert werden soll das neue Stücke für Kinder Theater entstehen sollen.
00:14:08: Wolltest du dieses Stück denn ohnehin schon schreiben?
00:14:11: also hattest du die Idee schon vorher oder wurde das so durch dieses Stipenium und vielleicht auch ja durch das andere dann so richtig konkret ist diese Idee?
00:14:19: Ja, nee.
00:14:20: Also das war schon länger quasi immer sehr lange Jahre eigentlich in meinem Kopf bis ich aber die richtige Form gefunden habe hat wirklich gedauert bis zu dem Nahtranstipendium.
00:14:30: dann also wie gesagt Ich hatte was vorher entwickelt und hab aber nie so richtig glaube ich mich getraut den Kern freizulegen.
00:14:37: Quasi also ich habe was gemacht was ich sonst beim schreiben nie mache.
00:14:40: es waren fantasy stoff eigentlich von vornherein ja.
00:14:45: Es ging aber auch um einen ein Freund, der eben verstorben ist.
00:14:48: Und drum herum war aber ganz viel quasi irgendwelche fantastischen Elemente und dann hab ich wirklich so dieses Jahr gebraucht um das alles frei zu schälen bis halt nur noch sozusagen das eigentliche dabei was mich auch anbelangt und was dann sozusagen dazu geführt hat dass sich überhaupt erst die Figuren entwickeln konnte glaube ich.
00:15:06: Aber das waren längere Prozesse zwei drei Jahre tatsächlich ja.
00:15:10: Das heißt du hast parallel auch immer an anderen Sachen gearbeitet sich an das Stück gesetzt.
00:15:18: Genau, vor einem Jahr habe ich intensiv angefangen zu schreiben und das Schreiben an sich ging dann sehr schnell.
00:15:23: aber der Prozess vorher war eben wichtig glaube ich ja.
00:15:27: Du hast Geschichte, Literatur und sehnisches Schreiben studiert und dich auch schon als Hausspieler und Filmkritiker und Sänger und bestimmt auch noch in ganz vielen anderen Dingen ausprobiert.
00:15:38: Aber in den letzten Jahren erscheint das Schreiben für Theater zu deiner Haupttätigkeit geworden zu sein.
00:15:43: Wenn man so sieht, die Liste wird immer länger anstücken ... Wann hast du gemerkt?
00:15:48: Das könnte was für mich sein und das könnte funktionieren!
00:15:52: Ja also wie du sagst es war irgendwie jahrelang immer klar als Kind ich bin der Schauspieler halt und deswegen dachte ich gut dann ist es wohl so weil ich hab wie du sagt irgendwie vor der Kamera was gemacht und auf der Bühne und so und es hat mir auch krass viel Spaß gemacht.
00:16:08: aber dann gab es einen sehr konkreten Moment, da sich dann eben dachte, okay, dann mach ich das wohl.
00:16:14: Ist wohl dann so?
00:16:15: Dann hab' ich mich auch an der Busch beworben und war dann da in der zweiten Runde.
00:16:19: und dann gab es diesen Moment beim Vorsprechen ... kennst du bestimmt auf wenn du ganz konkret dich von außen siehst und denkst was machst du da?
00:16:28: Und ich habe den Ferdinand von Kabade und Liebe vorgesprochen, was gar nicht passt zu mir und so... und ich wusste in dem Moment dass das geht nicht!
00:16:34: Ich kann das gar nicht machen und ich hasse das hier.
00:16:37: Also ich finde den Schauspielberuf nach wie fort Großartig.
00:16:40: Aber für dich selber?
00:16:41: Respekt,
00:16:41: aber für mich selbst.
00:16:42: Ging das nicht und parallel war ich am Deutschen Theater im Jugendclub mit so Gleichalträngen.
00:16:47: Mit neunzenzwanzig war das.
00:16:49: Und da haben wir eben auch gespielt und haben aber eben selber dieses Stück entwickelt und haben auch selber geschrieben.
00:16:56: Das war damals sehr weit der Klemmen, der es mit uns gemacht hat und er hat uns angehalten, sehr viel Texte zu produzieren.
00:17:02: Ich hab halt gemerkt, das ist ja viel geiler als auf der Bühne zu stehen.
00:17:05: Irgendwann nur noch geschrieben.
00:17:07: Und das war der Moment, wo ich das erst mal überhaupt gemerkt habe, was es bedeutet, Texte für die Bühne zu schreiben.
00:17:15: Hab ich vorher nie gemacht.
00:17:16: und parallel dazu hab ich gejobbt in der Schaubühne damals am Leninger Platz als Einlasspersonal.
00:17:22: Da gab es diese eine Kollegin, die meinte, dass gibt diesen Studiengang sehnisches Schreiben.
00:17:27: Dann hab ich das so gelesen und er wusste irgendwie ... Das ist genau das, was ich eigentlich machen will?
00:17:33: Ja!
00:17:34: Dafür hab ich dann wiederum noch mal eben Texte geschrieben.
00:17:39: Dann nahm das so seinen Lauf und ich hab weitergeschrieben, nicht mehr gespielt.
00:17:44: Und hat sich das dann während des Studiums da so bewahrheitet wie du dir das vorher vorgestellt hast?
00:17:50: mit dem Schreiben lernen ins Schreiben kommen, schreiben studieren?
00:17:56: Oder war das plötzlich ganz anders als du das dir erdacht hast?
00:18:00: Also ich konnte es mir auch schwer vorstellen, wie soll man schreiben ... Was ist das für ein Handwerk?
00:18:07: Genauso ist es an der Schauspielschule.
00:18:10: Das war für mich eine total entlastende Erfahrung, dass es bestimmte Dinge gibt die fallen nicht nur vom Himmel oder du musst warten auf Inspiration.
00:18:21: Es gibt Seminare wie Satz-für-Satz-Analyse und dann gucken wir jeden Satz an.
00:18:27: Aber was für mich natürlich auch überhaupt nicht absehbar war dieser riesen Vorteil ... zu zehn zusammenzukommen und Woche für Woche über die eigenen Texte zu sprechen, was natürlich jetzt auch überhaupt nicht mehr der Fall ist oder gar nicht möglich ist.
00:18:40: Aber dieses Riesenprivileg zu haben in einer Werkstatt zusammenzukommen das hat mich wahnsinnig überrascht und das hat das meiste gebracht glaube ich einfach überhaupt eine eigene Stimme erst mal zu entwickeln oder zu finden so und die eigenen Themen zu finden.
00:18:55: Das heißt du bist dann mit dem Studium ja in Berlin gewesen?
00:19:00: Jetzt bist du in Hamburg.
00:19:02: Wenn man mit AutorInnen, egal wie lange die schon als Autorin oder Autor arbeiten, sagen die meisten, die in Berlin leben.
00:19:10: Ich genieße auch das Leben als Autoren hier in der großen Stadt konkret in Berlin sehr weil viele andere Kolleginnen hier leben und arbeiten weil viel passiert.
00:19:21: Wie ist es für dich in Hamburg?
00:19:23: Ja den Gedanken hatte ich auch bevor ich umgezogen bin.
00:19:25: deswegen hab ich auch gedacht, ich ziehe erst mal nur zum Ausprobieren um und hab natürlich noch meine Wohnung untervermietet damals.
00:19:32: Und ich wollte eigentlich so nach drei, vier Monaten gucken, dann geh ich wahrscheinlich eh zurück weil ich bin mein ganzes Leben lang in Berlin unterwegs gewesen und hab da gelebt und dachte dann auch okay wenn du schon Berliner bist, dann bleibst du natürlich in Berlin.
00:19:45: Ich bin immer noch sehr gerne in berlin ab und zu.
00:19:46: aber ich muss sagen hier habe ich echt ein Zuhause gefunden.
00:19:50: das ist ja immer mit den Orten also da wo du halt Menschen findest, die dich sonst vermissen würden.
00:19:57: Wenn du nicht da wärst ist es halt dieses Zuhause-Gefühl und das brauche ich einfach neben dem Schreiben auch sehr.
00:20:03: also Ich rede jetzt gar nicht mal nur von Kolleginnen und Kollegen sondern Freundschaften einfach und Beziehungen Und deswegen bin ich gerade für den Moment sehr sicher dass ich erstmal hier bleibe.
00:20:13: Also es war mir dann auch schon nach drei Monaten klar und klar Auch die Stadt ist toll Hamburg.
00:20:18: Es gibt Momente Da fehlt mir so ein bisschen dieses Vibrieren im Februar bei der Berlinale noch mal wieder da und habe schon gemerkt, ich bin dann so in Moabit über diese Brücke gegangen.
00:20:28: Und das war alles so groß und riesig!
00:20:31: Und merke auch so dass ich ein bisschen mit einem provinzielleren Blick jetzt auf die Stand gucke und finde es aber auch anders als... Ganz cool, weil ich nie diesen fremden Blick hatte auf Berlin.
00:20:41: Und jetzt nach zwei, drei Jahren merke ich, dass ich den fremten Blick auf die Stadt hab und das habe ich mir oft gewünscht.
00:20:47: Man kriegt da noch mal eine andere Perspektive einfach.
00:20:50: Zumal du aus der sehr schönen Situation darauf guckst, dich hier in Hamburg wohlzuführen ... Wenn es so wäre, dass du hier eigentlich nur wärst, weil muss
00:20:59: oder so?
00:21:00: Dann wäre das natürlich auch nochmal bestimmt was anderes.
00:21:04: Du bist jetzt... Mit Schmetterball für den Mühlheimer Kinderstück gepreist nominiert.
00:21:10: Kommst du nach Mühlheim?
00:21:11: Ja, klar!
00:21:12: Mit was für einem Gefühl?
00:21:15: Ich war noch nie da und ich habe wirklich gar nicht so krasse Erwartungen jetzt, was jetzt die Nominierung oder so anbelangt.
00:21:21: aber ich freue mich mal wieder am Stück viel Theater zu gucken vor allen Dingen Was ich gar nicht mehr so viel mache gerade Und hab das Gefühl nach allem, was ich gehört hab.
00:21:33: Dass es eine tolle Atmosphäre vor Ort ist und freu mich auf diesen Festival-Vibe sehr.
00:21:38: Und habe auch jetzt schon gerade entschieden ... dass ich vier Tage oder fünf Tage bleibe.
00:21:44: Ich will dann gerne alles mir anschauen.
00:21:47: Darauf freue ich mich.
00:21:48: Aber ich bin noch nicht so aufgeregt oder sowas.
00:21:52: Vielleicht kommt das ja noch kurz vorher?
00:21:54: Wer weiß das schon!
00:21:56: Ja voll schön.
00:21:57: Dann sehen wir uns da auf jeden Fall.
00:22:00: Ich freu' mich sehr.
00:22:01: Danke für das super schöne Gespräch.
00:22:03: Danke dir!
00:22:04: Danke, dass du die Zeit genommen hast.
00:22:06: Speziell an diesem Tag weil ausgerechnet jetzt an dem Stereotypen-Regentag in Hamburg scheint natürlich die Sonne und wir sitzen hier drinnen war sehr schön dich kennenzulernen
00:22:14: mich auch gefreut.
00:22:14: danke genießt
00:22:15: die sonne in hamburg die viele und wir sehen uns im Mai
00:22:19: bis dahin.
00:22:20: ciao
00:22:27: Das war ein Gespräch mit Dorian Bruns, nominiert für den Mühlheimer Kinderstückepreis.
00:22:34: Ich freue mich wenn Sie wieder einschalten denn in den anderen Folgen dieses Podcast nehme ich sie mit zu den weiteren Autorinnen und Autoren die mit ihren Texten – den besten der Saison!
00:22:43: – zu den Einenfünfzigsten Müllheimer Theatertagen eingeladen sind.
00:22:48: Bis dahin.
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