Avishai Milstein über die Erinnerung an etwas, das man nicht erlebt hat

Shownotes

Avishai Milstein ist mit „Play Auerbach“ für den Mülheimer Dramatikpreis 2026 nominiert. Elisabeth Luft hat sich online mit ihm getroffen, da er in Tel Aviv lebt. Das war Anfang April. Im Podcast erzählt der Autor, wie er die aktuelle Situation in Israel wahrnimmt, aber auch wie er sein Leben als Künstler in Israel und in Deutschland führt und warum es heute so schwierig für junge Deutsche ist, eine angemessene Erinnerungskultur zu entwickeln und zu pflegen.

Die 51. Mülheimer Theatertage finden vom 16.5. bis 6.6.2026 statt. Alle Informationen, Termine und Tickets unter: stuecke.de

Transkript anzeigen

00:00:00: Lieber Avicai Milstein, wie schön, dass Sie da sind.

00:00:02: Herzlich willkommen!

00:00:03: Dankeschön, danke für die Einladung.

00:00:06: Sehr gern.

00:00:06: Wir haben uns jetzt online zusammengeschaltet.

00:00:09: Sie leben in Israel und heller Wief.

00:00:11: Wo sind sie denn gerade?

00:00:12: Gerade bei mir zu Hause.

00:00:14: Wir hatten so ein kleines Arbeitszimmer... ...dass wir teilen nicht um eine Frau und sie ist gerade weg und ich benutze das jetzt für dieses Gespräch.

00:00:24: Und das Wetter ist ganz komisch draußen.

00:00:26: Ganz, ganz komische weil es eigentlich nicht so kühl sein sollte in dieser Jahreszeit aber trotzdem sind diese Tage ein bisschen so winterlich noch.

00:00:34: Gestern hat es heftig geregnet jetzt regnet es nicht mehr aber wir haben so eine komische staubende luft ja israelische Frühmink.

00:00:42: In diesem Arbeitszimmer entstehen da auch ihre Texte also arbeiten sie da oft?

00:00:47: Ähm ... ja, so geteilt.

00:00:50: Ich habe auch einen Büro aus der Halb, in der Stadt, wo ich sozusagen regelmäßige arbeite oder auch unterwegs.

00:00:58: Also, ich hab kein spezifisches Lokal, das mir im Bevorzug

00:01:01: umzuschreiben.".

00:01:12: Herzlich willkommen zum Podcast mit den Autorinnen und Autoren der besten neuen Theaterstücke, die nominiert sind für den Mühlheimer Dramatikpreis oder für den Müllhammer Kinderstückpreis- Diesmal ein Gespräch mit Avishal Milstein.

00:01:27: Er ist für den Mühlheimer Dramatikpreis, und zwar mit seinem Text Play Auerbach.

00:01:34: Mein Name ist Elisabeth Luft ich bin Hörfunk-Donnerlistin Und da Avishai Milstein in Tel Aviv lebt, haben wir uns online zum Gespräch getroffen.

00:01:43: Das war Anfang

00:01:44: April.

00:01:45: Wir haben darüber

00:01:45: gesprochen wie er die aktuelle Situation in Israel wahrnimmt

00:01:50: aber auch darüber

00:01:51: wie er sein Leben als Künstler in Israel und in Deutschland führt

00:01:55: und warum

00:01:55: es heute so schwierig ist für junge Deutsche eine angemessen Erinnerungskultur zu entwickeln und zu pflegen.

00:02:01: Viel Spaß beim Zuhören!

00:02:13: in der nahen Zukunft.

00:02:15: Wir befinden uns bei einer Theaterprobe für ein Stück, in dem es um einen jüdischen Unternehmer und Auschwitz-Überlebenden gehen soll, Dr.

00:02:23: Philipp Auerbach eine reale historische Figur.

00:02:27: Erzählen Sie mir mehr?

00:02:28: Warum haben sie diesen Philipp Aauerbach ja in den Mittelpunkt ihres Stücks

00:02:33: gestellt?".

00:02:36: sehr fasziniert.

00:02:37: Ich habe den Namen nicht gekannt, bis ich quasi so den Auftrag von der Milchner Kamerspielen bekommen habe und ich hab diese schöne dicke Biografie von Herrn Klarer über ihn gelesen und dieser Lebensgeschichte fand ich wirklich sehr unfassend weil es enthält auch die Geschichte, also die historische Geschichte aber auch die Implikationen, die für heutzutage erkennbar sind, habe ich sofort gemerkt.

00:03:03: Einfach ein Versuch gemacht, das alles zu mischen.

00:03:05: Weil ich wollte kein so historisches Stück schreiben noch ein dokumentarisches Stück.

00:03:10: Ich wollte einfach diesen Auerbach als Startpunkt benutzen um auch Sachen oder Dinge zu erzählen die mich heute bewegen und wie wichtig sind glaube ich also für die Kommunikation mit dem deutschen Publikum?

00:03:24: Also letztendlich habe ich das in Deutschland geschrieben und nicht über die ganze Welt.

00:03:28: Und auch für München, weil es war ganz klar das Auerbach eine Münchner Figur ist.

00:03:33: Die in München ein bisschen im Laufe der Jahre vergessen worden ist und dass es auch ein Teil dieses Projektes also den Namen wieder in Umlauf zu bringen.

00:03:42: Genau und alles in allem habe ich mir so gedacht wie beginne ich ja so das zu erzählen?

00:03:46: Das ist eine ganz lange Geschichte mit vielen Stationen Lebensstationen und ich musste irgendeinen Blickwinkel finden die außerhabende Geschichte stattfindet Die legt nicht in der Biografie von Auerbach, weil dann wird es zu subjektiv sein, habe ich mir gedacht.

00:04:03: Genau und da hab' ich den Fokus Zukunft einfach ausgewählt.

00:04:10: Bevor wir über das sprechen was in Ihrem Stück passiert vielleicht noch mal ganz kurz zu Philipp Auerbach.

00:04:17: Der hat ja eine sehr interessante Doppelrolle eingenommen wenn man es so runterbrechen möchte denn die Biographie ist ja wirklich extrem komplex.

00:04:28: Er war einerseits Vertreter des Staates, er hat damals nach Kriegsende eine sehr spannende Rolle von den Amerikanern zugewiesen bekommen und er war jüdischer Vertretern vom Verfolgten.

00:04:43: Wie würden Sie das beschreiben?

00:04:45: Wie ging es Ihnen damals dabei?

00:04:48: Also es ist ganz, ganz komisch.

00:04:49: Das ist im Stück... also in der Fassung nicht vorhanden aber der hat die Stelle bekommen von einer Amerikaner damit er die Deutschen vor den Juden schützt.

00:04:59: Der amerikanische General damals dieser Patton, der eigentlich ein großer Antisemit war hatte irgendwie Angst dass die Juden zu Krawallen gehen gegen die Deutschen wenn sie jetzt also in Deutschland leben als Flüchtlinge und man muss einfach so die deutsche Bevölkerung Münchens ihn Schutz nehmen.

00:05:18: Und so hat er sich gedacht und das war auch in den ersten Gesprächen, ist es auch so bewiesen dass er mit der Auerbach genommen hat natürlich.

00:05:27: also man kann jetzt schreitern, wer die Schwächste war, also die Juden oder die Deutschen, beiden Völker waren damals ziemlich schlecht dran und armen und mittelos und Opfer von diesem schrecklichen Krieg.

00:05:39: aber es hat sich einfach so gegeben, dass so glaube ich, dass Auerbach sofort diese Antisemitismus seine Auftrag gekannt hat sich zum Schützer der Juden verwandelt hat und extrem erfolgreich war.

00:05:51: Also ich habe noch mit Gespräche geführt, mit Menschen die ihn damals auch noch gekannt haben zu dieser Zeit und sie seien ihm wirklich ein Massias also eigentlich derjenige oder der Einzige, der er mit ihnen behaupten konnte, der sie dann verstehen konnte.

00:06:06: Die Beschreibung war ganz so dass immer wenn er in eines dieser DP-Lager zu Besuch gekommen ist Also dann ist der Moses gekommen, der Große Mezius ist gekommen und alle mussten feiern.

00:06:16: Und die Kinder haben ihm da vorgesungen, dass er da angetreten ist usw.

00:06:22: Der ist wirklich ein Mensch, der in seiner Position, in seiner Kommunikationsfähigkeit mit den jüdischen Bevölkerung es zu einem Anführer gemacht hat.

00:06:33: Die Vertretung der Juden ist glaube ich an zweiter Stelle dann gekommen als die Amerikaner sich zurückgezogen haben und Deutschland, also die Bundesrepublik gegründet haben.

00:06:43: Und dann kam eben diese deutsche Bürokratie oder die deutschen Erarchie in die bayerische Regierung.

00:06:49: Und da war er der Einzige, der die Juden vor dem Deutschen auch vertreten konnte.

00:06:54: Er hat ja dann sozusagen aus dieser Position, auch wie Sie beschreiben wirklich Tausenden von Jüdinnen und Juden geholfen.

00:07:02: Eigentlich dreihunderttausend.

00:07:04: Die Nummer ist ja ganz klar.

00:07:05: also irgendwann man vor siebenundvierzig oder sechsundvierzig verfügt er über quasi dreihunderttaußen JüdInnen, Juden Kinder Eltern Menschen Familien und so weiter und sofort in Bayern.

00:07:17: Und er hat diesen Menschen dann einerseits zur Ausreise nach Israel verholfen, aber er hat auch irgendwie geholfen Umzüge zu organisieren.

00:07:25: Sich auch um die Wiedereingliederung in die Wirtschaft gekümmert zum Teil und er hat sich auch um Rückerstattungen und Entschädigungszahlungen also auch gekümpft und dann auch seinen Bestes gegeben bei der Internazifizierung zu helfen, zu unterstützen indem er auch zu Verhaftungen Beitrug von ehemaligen Nationalsozialisten.

00:07:46: Ich finde besonders spannend, so wie das eben bei ihnen auch schon anklamm, dass er ja einer der wenigen gewesen sein muss oder sogar der einzige war, der in den ersten Kriegsjahren öffentlich gesagt hat ich bin ein deutscher Jude.

00:08:00: Ja was ist da bekannt?

00:08:01: Das war mit einem Gründer warum die Amerikaner in Erdniet sind und sie haben einen Job gegeben weil sie davon ausgehen, dass sich er mit den Juden besser verständigen könnte als sie In Bürokraten.

00:08:14: Trotzdem ist sein Weg tragisch geendet, aus unterschiedlichen Richtungen hat man ihm Vorwürfe gemacht, dass er Dinge unterstützt habe die er nicht hätte unterstützen sollen oder auch das er kein Jiddisch brach.

00:08:27: Seine Behörde wurde dann geschlossen nach einigen Jahren.

00:08:30: Er selbst wurde verurteilt wegen Korruption und Veruntreuung Und Auerbach selbst hat dann Suizid begangen.

00:08:37: soweit sozusagen der reale historische Ausgangspunkt ihres Stücks.

00:08:42: Sie nennen den Text, den sie da geschrieben haben eine Erinnerungsreview.

00:08:47: Das klingt ja fast nach leichter Unterhaltung bevor man den Text gelesen hat.

00:08:52: Warum diese Form?

00:08:54: Ja wir suchten nach etwas was weder dokumentarisch noch realistisch ist denke ich mir.

00:09:00: Dann die Geschichte so unbekannt ist an ihren vielen Detailsten.

00:09:04: Wir konnten kein wirklich realistisches Stück schreiben weil dann Das könnte zu einer Geschichteunterricht mausern, das wollten wir auch nicht.

00:09:12: Man musste es einfach so dazwischen Gattung finden und die Idee von der Revue ist mir in Saffern gefahren weil in meiner Fantasie gibt es also in der Zukunft, in der der Stück stattfindet gibt es weder Juden in Deutschland oder ganz wenige sind geblieben und gibt es auch kein Theater mehr in Deutschland.

00:09:32: Und diese Probe wird von einer Antisemitismusbeauftragten organisiert.

00:09:39: Und sie arbeitet mit kleinen Schauspielern und ich glaube, dass das Publikum anzuziehen hat sie wirklich etwas leichteres gesucht als jetzt wirklich was zu lehren oder so didaktisch zu werden.

00:09:50: also alles mit Songs und mit Tänzen und mit schönen Kleidungen damit diese ganze Geschichte mehr Farbe bekommt.

00:09:58: Und ganz allmählich ist einem zu einer Revue geworden, quasi ein Abend mit Nummern und mit kurzen Clown-Nummern dazwischen.

00:10:06: Also wirklich mit musikalischem Nummern und dann kurze Episoden die dann gespielt worden sind.

00:10:11: und so ist es dann geworden!

00:10:12: Das hat mir im Soffen gut gefallen weil... ...die Doppelbödigkeit der Hauptfigur ist dass eigentlich man sieht schon also die Entwicklung von Auerbach wie er gestartet ist und wo dann gelanget ist.

00:10:24: letztendlich und ich fand das wenn ich sozusagen so eine gerade Linie seiner Entwicklung beibehalter, um Woben von dieser ganzen Revue-Nummern und so weiter.

00:10:35: Dann habe ich diese Doppelbürdigkeit also die beiden Strenge gut miteinander gebracht.

00:10:41: Insofern fand ich diese ganze Kombination sehr interessant.

00:10:46: das hat mich auch beim Schreiben sehr interessiert und ich kriege seither von Zuschauern und von Kritikern hab ich irgendwie gefühlt dass es funktioniert.

00:10:56: Ich habe es ja leider noch nicht sehen können, ich habe es nur gelesen und mir ging's ganz genauso.

00:11:01: Also das entwickelt eine unglaubliche Gleichzeitigkeit zwischen.

00:11:06: man begreift irgendwie den Ernst dieser historischen Figur die Situation dieser historische Figur und gleichzeitig merkt man, da ist irgendwie eine Leichtigkeit durch diese Proben-Situationen und so und dann bleibt einem dieses Grinsen oder vielleicht sogar das Lachen was man im ersten Moment verspürt dann ziemlich schnell wieder im Hals stecken.

00:11:25: Das fand ich eine sehr spannende Gleichzeitigkeit.

00:11:29: Und ich hab natürlich direkt gedacht an diese Diskussionen, auch die hier über die vermeintlich richtige Form von Erinnerungskultur in Deutschland geführt wird immer wieder auch, an die vielen peinlichen Fettnäpfchen bzw... viel eher an die unangemessenen Fehltritte, die immer noch auch passieren.

00:11:48: Trotz meist guter Absichten.

00:11:50: Sie kommen selber ja auch immer wieder nach Deutschland.

00:11:52: ist das was wo sie selber auch Erfahrungen verarbeitet haben mit eingeflochten haben?

00:11:58: Was die Leute auch wissen oder nicht wissen also wie sie ihnen begegnen.

00:12:03: Also ich finde jetzt auch heutzutage eine verblüffende Spaltung zwischen dem was man eigentlich weiß und dass man eigentlich wissen muss.

00:12:13: Ich erkläre, was ich damit meine.

00:12:14: Also die Erinnerungskultur ist etwas... Ja, würde ich sagen so in Deutschland vor allem von Staatswegen.

00:12:22: Es ist ein Musk glaube ich oder es ist so ein Diktat von oben.

00:12:26: kein schlechtes Übrigens.

00:12:27: Ich habe nichts dagegen aber das Problem ist dass die Leute, woran sollen sie sich eigentlich erinnern?

00:12:33: Diese diskrepantischen Erinnerungs-Kultur und der persönlichen Erinnerungen, dass woran man sich selber als Deutscher also als Mensch überhaupt soll zutage Erinnert.

00:12:44: also diese Diskrepanz ist enorm, es wird immer auch größer glaube ich mit den jüngeren Generationen.

00:12:50: Ihr entfernt herrmann von der eigentlichen Geschichte ist umso größer wie dieser Diskrepans weil junge leute die erinnern sich eigentlich an nichts aber trotzdem müssen sie irgendeine Erinnerungskultur pflegen oder an der teilnehmen und dann wird es etwas ganz Unbesöhnliches.

00:13:12: Und ich glaube, darin liegt das Problem.

00:13:15: In meinem Stück gibt es keine Juden, okay?

00:13:19: Aber es gibt einer Person, die dafür noch verantwortlich ist, dass diese Erinnerungskultur beibehalten wird – und diese Diskrepanz meine ich!

00:13:28: Woran sollte man sich in den Jahren der Jungen erinnern, wenn sie alle verschwunden

00:13:34: sind?!

00:13:35: Verstehen Sie, was ich meine?

00:13:36: Also ich habe mit vielen Kollegen auch während der Arbeit so gesprochen und ich habe immer so diese Sachen gehört.

00:13:42: Ich wusste, dass mein Vater oder meinen Opa Nazi war aber mehr wusste ich nichts.

00:13:48: Ja das ist das Ding!

00:13:49: Was heißt das, dass der Opa oder der Vater oder einen Familienangehörigiole früher Nazi war?

00:13:55: Was bedeutet das für die Menschen heutzutage?

00:13:58: also ich mal nach persönlich es gab einen jungen Mitarbeiter an der Produktion der ganz ganz zufällig nach der Premiere irgendeine alte Fotos bei sich Zuhause gefunden, also nicht bei sich sondern seinen Eltern.

00:14:10: Also dem Mann ist er achtundzwanzig und plötzlich landen über ihm diese Fotos und er kann damit gar nichts anfangen.

00:14:19: Was heißt das für ihn heute?

00:14:21: Also was heißt es für seine Seele, für seine Psychologie, für seinen Umgang mit sich selber, mit seinem zukünftigen Familienkinder...was bedeutet

00:14:29: das?!

00:14:30: Und ich finde, das ist es.

00:14:31: Warum diese Erinnerungskultur manchmal so ein bisschen hohl aussieht und auch unglaubhaft erscheint?

00:14:39: Vor allem glaube ich für Juden.

00:14:41: Für Juden die heutzutage in Deutschland leben.

00:14:43: Was machen sie denn aus dieser Erinnerungskultur wenn sich heute wieder bedroht fühlen?

00:14:50: Absolut ja!

00:14:51: Die immer geringer werdende Zahl an Zeuginnen und Zeugen, die persönlich davon sprechen können und ja auch warnen, und ganz viel in aller Regel Bildungsarbeit machen und gemacht haben viele Jahre.

00:15:06: Weil eben in Familien ganz oft Infos fehlen extra bei Seite gelegt wurden lange Jahre verschwiegen wurden.

00:15:15: Wie schauen Sie auf diese Zukunft?

00:15:17: Wenn es diese Menschen, diese Zeuginnen und Zeugen gar nicht mehr gibt ...

00:15:24: Ja, man muss noch einen Schritt vorher gehen.

00:15:26: Ich glaube nicht dass es nur ein Problem von heute ist.

00:15:28: Dieses Problem war immer in Deutschland ich liebe so zu sagen mit deutschen oder in Deutschland schon seit den achtzigen Jahren und damals war das genau so und damals haben noch genug Zeuge gelebt und innerhalb der Familie waren noch Menschen die dann wirklich private oder persönliche Geschichte gekannt haben.

00:15:47: Und trotzdem wurde nicht nur zu wenig erzählt Ich denke, wurde auch zu wenig gefragt.

00:15:56: Wenn man immer davon ausgegangen ist, dass das alles der Vergangenheit schon angehört und wenn man sich jetzt als meinetwegen links bezeichnet oder zweite Generationen oder dritte Generation, dass man sich damit nicht persönlich auseinandersetzen muss.

00:16:12: Viele Jahrzehnten sind einfach vergeudet worden ohne dass die Menschen sich persönlicher mit diesem Monster auseinandergesetzt haben.

00:16:21: Und das ist immer so etwas für die Generation geworden, oder für das Land geworden.

00:16:25: Oder für das Volk!

00:16:26: Oder für die Menschen... ...oder für die Intellektuellen?

00:16:29: Oder für den

00:16:29: Juden?!

00:16:30: Oder an diese Mitten?

00:16:31: Das sind immer Gruppen.

00:16:32: Aber wie sieht dann die persönliche Auseinandersetzung?

00:16:36: Wie hat sie sich denn ausgesehen?

00:16:37: und ich habe irgendwie gemerkt dass die nicht stattgefunden hat.

00:16:40: Nicht wenn man nicht erzählen wollte weil man vielleicht die Angst hatte sie zu erfragen.

00:16:46: Irgendwie sind die Zugänge einfach verpasst worden.

00:16:50: Und deswegen ist es alles jetzt so theoretisch geworden und man redet über Staatsrison, von dem man gar nicht versteht was das eigentlich für ein Person persönlich bedeutet.

00:17:01: Ja in dem Moment in dem man dass diesen einzelnen Gruppen, die sie gerade genannt haben immer übertragen hat lagert man es ja auch

00:17:10: aus?

00:17:12: Also ich habe nur ein Nachgespräch nach einer der Abende in München sozusagen beigewohnt und da sitzen ja dreißig, vierzig Leute die das Stück gesehen haben.

00:17:23: In allen Altersstufen und jeder der was erzählt.

00:17:27: also dann werden sofort irgendwelche persönliche Geschichten erzählt also keine Fragen und keine Debatten.

00:17:32: Nur diese Drang was einzugestehen tritt auf um die Leute fadlern zu weinen Über sich über sich.

00:17:42: Na ja, vermutlich natürlich auch.

00:17:43: Weil da sozusagen dann so durch dieses Erleben des Theaterabends und dieser Direkteil dieses Themas auch eine Art wirklich große Lücke festgestellt wird?

00:17:54: Genau!

00:17:54: Und wie kann man diese Lücke hier fühlen?

00:17:56: Also das weiß ich nicht.

00:17:57: Ich finde, dass geht gar nicht.

00:17:58: Das geht gar nichts.

00:18:01: Das steht zu einer geschichtlichen Nummer.

00:18:03: Wissen Sie was ich meine?

00:18:04: Es ist einfach so... Ja.

00:18:05: So

00:18:05: ist es passiert.

00:18:06: Ja, so ist es halt passiert und gehen wieder weiter.

00:18:09: Aber dieses Grundproblem, das haben die Semitismusist damit nicht gelöst.

00:18:12: Und ich denke, dass es vielleicht zu viel verlangt von mir... Also was ist das Problem so für jede einzelne Menschen?

00:18:19: Wo nachher ich wirklich suche?

00:18:21: Damit es sozusagen für die Zukunft irgendeine Form von Lösung gibt, dass das weitergeht.

00:18:27: Ja auch!

00:18:27: Für die Menschen für sich also, damit sie nicht diesen Eiter in sich tragen müssen und der ist noch da.

00:18:33: Das ist erstaunlich eben, dass die Geschichte, die ich Ihnen jetzt erzählt habe mit diesem Kollegen, der ist nur achtundzwanzig Der hat nichts verübelt.

00:18:41: Welche Last muss er über sich jetzt tragen?

00:18:44: Ja, man spricht ja oft auch von historischer Verantwortung.

00:18:47: Was bedeutet das eigentlich?

00:18:49: Also was geht damit einher und wie kann das in Zukunft und auch heute aussehen?

00:18:54: Man sieht wieder, wie diese politische Verantwortung heutzutage politisch manipuliert wird.

00:19:00: Aber das ist auch klar, weil das eben also kein persönliches Ding.

00:19:03: Das ist etwas was der Staat gehört oder der Politik gehört und nicht jedem Einzelnen.

00:19:07: Und deswegen kann man die auch in dieser und in den anderen Richtungen einfach manipulieren so wie das heute gemacht wird.

00:19:14: Ist ganz, ganz klar!

00:19:16: Lassen Sie uns nochmal auf München schauen.

00:19:18: Play Auerbach spielt in der Stadt, ist auch als Auftragswerk für die Münchner Kammerspiele entstanden.

00:19:26: Angeteasert, Sie haben seit den Achtzigern eine Verbindung.

00:19:29: Weil sie dort studiert haben und zwar Theaterwissenschaft.

00:19:33: Ich nehme an in diesem schönen kleinen roten Backsteinbau in der Georgensstraße?

00:19:38: Ja klar unter anderem.

00:19:39: Wunderbar!

00:19:40: Ich habe da auch Theaterwissenschaft studiert.

00:19:42: Und da sehr schöne Erinnerungen dran.

00:19:45: Was haben Sie für Erinnerung an Ihre Theaterbesuche damals?

00:19:49: Sind Sie damals auch gerne die Kammerspiele gegangen?

00:19:52: Sehr gerne.

00:19:53: Fast jeden Abend Das war immer Freitagmorgen.

00:19:57: Da konnte man als Student dann gerade für die nächste Woche kaufen und ich konnte mich dort nicht früh genug anstellen, um der Erste zu sein.

00:20:05: also da waren immer ein paar vor mir aber trotzdem das war mein Shoppen.

00:20:09: Also ich habe mich angestellt.

00:20:10: Ich habe Karten für die ganze Woche gekauft Nicht nur für die Kamerspiele Aber ich muss echt sagen dass die Kamer Spiele damals wir am meisten gefahren haben.

00:20:17: Also das war diese Ära von Dieter Dorn glaube ich mit seinem wunderbaren Zahnbild Und es hat mich wirklich geschapet.

00:20:23: als Theaterkünstler denke ich mir diese Jahre

00:20:31: Sie sind ja dann nicht nur Dramatiker, Regisseur und Dramatur geworden.

00:20:34: Sondern auch Theater-Gründer und Festivalgründer.

00:20:38: Inwiefern hat sie diese Zeit in München damals für späteres Schaffen geprägt?

00:20:44: Gab es irgendeine Momente, in denen sie ... Ja, vielleicht sogar sagen können.

00:20:47: Es gab konkrete Entscheidungen die sie getroffen haben weil sie Dinge gesehen haben künstlerische Entscheidung Weil Sie Dinge in München gesehen haben die sie begeistert haben.

00:20:54: oder war das wirklich einfach eher so eine hintergründige Erinnerung Die sie einfach getragen hat?

00:21:00: dann auf ihrem Weg?

00:21:02: Ich hatte irgendwann mal eine Krise im lauf meiner Studium Und ich habe da gerade angefangen, am Residenz-Data als Regie-Assistenz zu arbeiten.

00:21:11: Und gleichzeitig habe ich irgendeinen Preis gewonnen in Israel als Dramatiker.

00:21:14: Mein Stück wurde also mit so einem Preis nach einem wichtigen Festival dekoriert und das habe ich irgendwie verwirrt.

00:21:21: Ich wusste nicht, was ich jetzt mit mir selber anfangen soll.

00:21:23: Soll ich schlicht und klar... in Deutschland bleiben und dann die Regisseur-Karriere nachfolgen oder nach Israel zurückfliegen.

00:21:31: Und Stücke für das rändische Theater schreiben, weil da die Nachfrage angefangen hat klar, weil ich einen Preis gewonnen habe und ich fand ein bisschen auf den Fokus gebracht dadurch.

00:21:41: Die Entscheidung ist gefahren, weil der Regisseure damals mit dem ich am Rese gearbeitet habe, er hat mir gesagt ja als Regieassistent können Sie vielleicht aus zwei drei Jahren eine kurze Sendierung inszenieren und dann vielleicht fünf, sechs Jahre noch etwas größere Inszenierung an einem kleineren Haus inszeniert usw.

00:21:59: Und irgendwann in fünfzehn, zwanzig Jahren sind sie ein deutscher Regisseur einerseits.

00:22:04: andererseits wenn man von ihnen jetzt in Israel einen Stück will also etwas was Sie selber schreiben da müssen Sie sofort nach Israel fliegen keine Frage Okay.

00:22:15: Dann ist die Entscheidung befahren.

00:22:16: ich bin nach Israel zurückgekehrt sozusagen und Ich habe wirklich gedacht dass ich dann einen Schnittmache, also mit meiner kurzen deutschen Vergangenheit und dass ich da meine Karriere in Israel einfach entwickle.

00:22:28: Aber ganz kurz danach habe ich das Angebot bekommen wieder nach Deutschland zurückzukommen als Regie-Assistent an einem anderen Theater zu arbeiten mit einem israelischen Regisseur Und ich habe gemerkt im Laufe dieser Jahre, als ich ganz jung war und viele Entscheidungen treffen musste wohinswegs klar Also dass ich eigentlich nicht das eine ohne das andere betreiben kann.

00:22:51: Also ich muss irgendwie beide für mich aussuchen, also ich muss zwei Karrieren entwickeln und zwei Leben leben, also zweihundert Prozent Realität genießen.

00:23:01: Und so ging es einfach.

00:23:03: seither.

00:23:04: bis heute ist es so dass ich immer wieder nach Deutschland sozusagen gerufen werde und fliege und arbeite und dann Israel zurückkehre und ich finde es ein großer Vorteil muss ich sagen, immer so wirklich aussuchen muss, auswählen muss.

00:23:21: Wo ich jetzt leben will und wo ist es besser zu leben?

00:23:24: Und was ist besser mich zu

00:23:25: entwickeln?".

00:23:27: In dieser Hinsicht, wenn ich sie jetzt auf meiner Karriere zurückblicke natürlich gab's immer wieder Einflüsse von der anderen auf die Anderen Seite.

00:23:35: Ich bin ein sehr eifriger Vertreter vom deutschen Theater in Israel aber auch umgekehrt.

00:23:41: Einen Vertretern des israelischen Theater im Deutschland und ich finde jedem Land wie Vorteile des anderen Landes wie ich sie dann beschreiben kann und für mich ergänzt es sich immer wieder.

00:23:52: Also, ich liebe seitdem wirklich in einer Kreis der Ergänzung die ganze Zeit.

00:23:56: Und das freut mich sehr!

00:23:58: Das freut mir wirklich, wirklich sehr.

00:24:00: Was ich mich gefragt habe wenn Sie das so erzählen – das ist ja auch dieser Wandel, wie das entstanden ist diese Parallelität wahnsinnig beeindruckend.

00:24:10: Wie wirkt sich das denn auf Ihr Schreiben aus?

00:24:13: Also gehen Sie unterschiedlich an... einen Text in ihrer Muttersprache ran und an ein Text in deutscher Sprache?

00:24:23: Ja, klar.

00:24:26: Ich muss sagen dass jetzt es interessiert mich halt mehr als die Spanne darauf Deutsch zu schreiben also auf Hebräisch.

00:24:33: das ermüdet mich irgendwie jetzt.

00:24:34: also das ist langweilig für mich auf hebräische schreiben in den letzten Jahren.

00:24:38: ich merke wirklich dieses Interesse.

00:24:40: wenn ich jetzt auf Deutsch schreiben muss ist es natürlich eine viel größere Herausforderung und bei Auerbach habe ich die Herausforderungen noch verdoppelt, als ich sie nachher noch Songs schreiben musste oder wollte.

00:24:54: Das war wirklich ein Kilimanjaro-Climb.

00:24:59: Ja also ich finde das jetzt natürlich anders wenn man so die Sprache von außen betrachtet.

00:25:04: Da kommen ganz ganz interessante Sachen raus.

00:25:06: Natürlich schreibe ich viel Falsches und ich kriege dann die Merkungen so sagt man's nicht aber dann irgendwann mal etwas falsch ist, was ich so geschrieben habe.

00:25:15: Gefällt meinem deutschen Mitarbeiter und sie sagen, so hab' ich das nicht gedacht oder so hab ich jetzt nie gesagt aber trotzdem funktioniert es weil es verstehen kann.

00:25:23: also ich glaube diese Möglichkeit eine Sprache von außen zu betrachten um natürlich dadurch auch Sie viel weiter zu erlernen oder erlernen zu wollen bringt mir enorm Spaß und auch Interesse.

00:25:36: das ist wirklich ein Brain Challenge ja und ich liebe es.

00:25:41: Ja, das merkt man.

00:25:42: Das kann ich mir sehr gut vorstellen!

00:25:44: Sie haben eben vor unserem Gespräch gesagt es kann sein dass während wir sprechen hier verbunden zwischen Deutschland und Israel Dass sie sich verstecken müssen, dass ein Alarm kommt.

00:25:57: so ist die Situation im Moment.

00:25:59: wenn sie etwas dazu sagen möchten Wie erleben sie die aktuelle situation in israel?

00:26:04: In Tel Aviv?

00:26:06: Also das ist wirklich jetzt furchtbar.

00:26:08: also das ist eine krieg den wir hier nie hatten, weil Tel Aviv war immer so ein bisschen geschützter sozusagen.

00:26:16: Weil es eine Statistis nicht am Leider der Grenzen des Landes liegt.

00:26:20: aber jetzt handelt es von Raketen und die Raketen erkennen keine Grenzen um.

00:26:24: die fahren einfach überall Und wir haben dann so jeden Tag mindestens fünf mal Sirenen.

00:26:32: da müssen wir uns in die Schutzräume oder in die Bunker alleilen kommt darauf an wollen sich gerade befindet und man wartet dann vier Stunden, zwanzig Minuten bis das Signal kommt dass man raus kann.

00:26:44: Und das ist sehr, sehr stressig.

00:26:47: so verbringen wir die Nächte, so verbringen wir die Tage.

00:26:49: Das ist wirklich furchtbar abgesehen davon natürlich, dass Leute ertroffen werden.

00:26:54: Viele Schauspieler, die ich kenne sind in den letzten Wochen jetzt ohne zu Hause geblieben Nicht nur Schauspielen klar Bürger jeden Stand des vielen Metiers aber Ich kenne die Schauspiele und es ist wirklich tragisch Und man sieht keinen Ende davon und man versteht auch nicht das Nürzen bevor.

00:27:11: Also als sich jemand, der einfach in diesen imaginäre Sicherheit treibt jeden Tag.

00:27:16: also man versteh das nicht.

00:27:17: Wurzu?

00:27:18: Das Ganze.

00:27:21: Wie ist Ihr Gefühl im Moment gegenüber dem Ausreisen auch?

00:27:26: Wissen Sie schon oder haben Sie ein Gefühl zu der Frage ob sie im Mai nach Mühlheim kommen können?

00:27:34: Ich kann das nicht wissen.

00:27:36: Also ich werde alle Mühe geben, um nach Milan zu kommen.

00:27:39: Aber vielleicht wird es auf Umwegen laufen?

00:27:41: Im Moment gibt es ganz wenige Flüge von Tel Aviv raus... München ist das einzige deutsche Staat, die jetzt regelmäßig durch die israelische Luftgesellschaft mit Israel noch verbunden bleibt.

00:27:53: Also gibt es keine Flügel nach Berlin und keine Fliege nach Frankfurt mehr.

00:27:57: Beziehungsweise gibt es auch sehr wenige flüge Und in Maschinen sind mit sehr wenigen Menschen besetzt.

00:28:03: Also glaube ich, Fünfzig hieß jetzt die Zahl der erlaubten Passagiere und das ist schlimm.

00:28:08: Ich hoffe dass bis ja Mitte Mai die Lage sich verändert.

00:28:12: Ich habe noch einen Auslandsreisen noch kurz davor also in drei Wochen.

00:28:15: Die muss ich oder will ich auch machen aber hab nicht noch keinen Signal bekommen ob die Flügel überhaupt stattfinden.

00:28:21: Und dann muss man sehr sozusagen erfindsam sein um auf Umwegen ans Ziel zu kommen über Ägypten oder über Athen oder wie auch immer.

00:28:30: natürlich Ja, macht das alles viel komplizierter.

00:28:36: Ja ich wünsche sehr dass es bald vorbei ist, dass sie auch in drei Wochen gut reisen können.

00:28:44: Toll wäre's natürlich wenn Sie nach Mühlheim kommen können.

00:28:48: ganz wichtig ist dass die Situation besser wird

00:28:51: Auf jeden Fall!

00:28:53: Ich wünsch Ihnen alles alles Gute.

00:28:57: Vielen Dank für das super spannende und tolle Gespräch.

00:28:59: Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben hierfür die Aufnahme Und ja auf bald.

00:29:06: vielen dank

00:29:07: danke tschüss.

00:29:14: Das war ein Gespräch mit Avishal Milstein, nominiert für den Mühlheimer Dramatikpreis.

00:29:20: Ich freue mich wenn Sie wieder einschalten denn in den anderen Folgen dieses Podcast nehme ich sie mit zu den weiteren Autorinnen und Autoren die mit ihren Texten den besten der Saison zu den einundfünfzigsten Mühleimer Theatertagen eingeladen sind.

00:29:35: bis dahin.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.